
Poppiger „Scheiß drauf“-Vibe statt musikalischer Raffinesse: Die erste neue Pascow-Single „Und wir so“ zieht in sonnigem Pop-Punk-Dur nach vorn, schnörkellos und ungekämmt – zwei Minuten gutgelaunter Mittelfinger in Richtung der Herrschenden. Dem warmen Sound-Bad steht die klare Absage des Textes gegenüber: Während die Politik ein nationales „Wir“ herbeifabuliert, feiern Pascow mit Background-Sängerin Nadine Nevermore (N.T.Ä.) die Gemeinschaft jener Widerständigen, die die Welt nicht den Arschlöchern überlassen wollen. Manche Songs passieren, aber sie passieren nie ohne Grund. „Und wir so“, die erste Vorabsingle des gleichnamigen PASCOW-Albums, dürfte viele Fans überraschen: Pop-punkig und in sonnigem Dur zieht der Song nach vorn, schnörkellos und ungekämmt, als wonnige Feier der Gegenkultur – zwei Minuten gutgelaunter Mittelfinger in Richtung der Herrschenden. Eigentlich kennt man das rheinland-pfälzische Quartett längst für einen politischen Punkrock-Sturm, der die Ungerechtigkeiten der Welt auch musikalisch vielschichtig seziert. So sympathisch geradeheraus wie hier hat die Band lange nicht mehr Punk von der Straße aufgesammelt. Pascows „einfachster“ Song seit 15 Jahren war innerhalb von zehn Minuten fertig geschrieben und wurde danach kaum noch überarbeitet. Im Studio fügte die Band lediglich ein paar Gitarrenmelodien hinzu, eingespielt wurde er ohne Clicktrack. Keine musikalische Raffinesse, keine aufgetürmten Gitarrenspuren, kein Pomp. Stattdessen viel Bauchgefühl und ein Kopfsprung in die eigene Vergangenheit: „Und wir so“ verströmt den gleichen poppigen „Scheiß drauf“-Vibe, der auch das Pascow-Debüt „Richard Nixon Dicopistole“ (2002) und dessen Raus-in-die-Welt-Hit „Trampen nach Norden“ prägte. Wegen seiner Schlichtheit war das Stück der Band zunächst fast unangenehm, geplant nur als Bonussong oder B-Seite. Doch mit der Zeit entpuppte sich der Song als notwendiger Zufall: Manchmal muss man Unbeschwertheit zulassen, ohne von seiner Haltung abzurücken, um´angesichts der Dauerkrisen der Gegenwart nicht zu resignieren. Der warme Grundton von „Und wir so“ – schon durch seinen Titel als musikgewordenes Widerwort erkennbar – bildet einen angenehmen Kontrast zum Songtext, mit dem sich Pascow unverrückbar an die Seite der Underdogs stellen: Dem nationalen „Wir“ der Politik setzt die Band die Gemeinschaft all jener entgegen, die sich prekären Lebensverhältnissen zum Trotz nicht einlullen, vereinnahmen und gegeneinander aufhetzen lassen wollen. Dazu passt hervorragend der motzige Backgroundgesang von Nadine Nevermore. Die Sängerin der saarländischen Streetpunks N. T. Ä. war schon auf den drei vorherigen Pascow-Alben zu hören und unterstreicht mit ihrem Beitrag einen Alltag zwischen kaputten Schuhen, Discounter-Einkauf und Schimmel im Bad, von dem sich die Entscheider längst entfremdet haben. Lieber Flaschen sammeln, als sich solchen Leuten anzudienen, die ständig „den Gürtel enger schnallen“ wollen, nur nie den von ihresgleichen – so lautet die Botschaft. „Und wir so“ wird damit zur beschwingten Abgrenzungs-Hymne für alle, die nicht bereit sind, die Welt kampflos den Arschlöchern zu überlassen. Die Single „Und wir so“ ist ab dem 16.10.26 überall digital sowie als Video verfügbar. Mit letzterem hat Kay Özdemir von Visual Attack das Song-Thema optisch clever eingefangen: Durch einen Türspion sieht man die Band und ihre Szene, die „draußen“ bleiben, sich davon aber nicht die Stimmung verhageln lassen. Das Singlecover stammt von André Nossek (VIA Grafik). „Und wir so“ ist der erste Vorbote des gleichnamigen achten Pascow-Albums, auf dem die Band auch insgesamt ihren Trademark-Sound für kleine Experimente und eine noch klarere Sprache öffnet.
