Levin Liam

Nur: Warum nennt jemand mit derart erfolgreichen letzten Jahren im Rücken sein neues Album »PECH«? Vielleicht, weil Erfolg nie die ganze Geschichte erzählt und das, was von außen nach Aufstieg aussieht, sich innen nicht automatisch nach Ankommen anfühlt. »PECH« ist ein Album, das genau dort hineingeht: in die schwereren, melancholischeren, manchmal auch widersprüchlichen Gefühlslagen hinter dem Offensichtlichen. Schon auf »Ausgedacht«, dem dritten Stück, verdichtet Levin Liam diese Haltung in einer Zeile, die lange nachhallt: »Der Schmerz war schöner, als er noch ausgedacht war.« Gemeint ist damit nicht romantisierte Traurigkeit als Pose, sondern die Ernüchterung, dass echter Verlust nichts Schönes, nichts Verklärtes mehr hat, sobald man wirklich mittendrin steckt. »Marseille« erzählt, getragen von sanften Saiten und Synths, von genau diesen Erkenntnissen zwischen Streit, Versöhnung und Erwachsenwerden. »Ohne Dach« handelt von erfüllten Träumen und der Leere, die trotzdem bleiben kann. Und »Farbenblind« mit Baby B3ns erzählt von zwei Menschen, die sich gemeinsam immer weiter verlieren — zwischen weißen Zigaretten, schwarzem Kaffee und einem Auto, das irgendwann in Flammen aufgeht. Und doch wäre es zu einfach, »PECH« nur als düsteres Album zu lesen. Wer Levin Liams Karriere verfolgt, weiß, dass genau diese Gegensätze ihn immer schon ausgemacht haben. »Diese Ambivalenz gehört für mich einfach dazu. Einerseits liegen viele Songs inhaltlich schwer – und irgendwann denke ich dann auch: Okay, jetzt will ich wieder meine Attitude reinbringen.« »Frier mich ein« zieht mit minimalistischem Piano-Loop und präzisen Drums eine klare Linie zwischen sich und den anderen. »Guck mal« mit Symba ist die Hymne für das Highlife zwischen Hanse- und Hauptstadt. »Ich mag seinen Part sehr – der ist einfach stark gerappt und mit der perfekten Attitude«, sagt Levin Liam. Eine Energie, die Levin Liam auch in den Track mit dem Hamburger Youngin c4rl überträgt, der dort Selbstbewusstsein in Reinform zelebriert. »Das ist für mich ein richtig schöner Moment auf dem Album, weil der Song soundmäßig noch mal in eine leicht andere Richtung geht.« Es ist genau diese Doppelbewegung, die Album und Titel ausmacht. Schon »vergiss mich nicht zu schnell« aus dem Jahr 2022 war unterschiedlich zu lesen — Bitte, Drohung, Erinnerung und Abgesang zugleich. »PECH« funktioniert ähnlich. »Ich suche bei Albumtiteln immer nach einem Wort, das möglichst viel umfassen kann und mehrere Bedeutungen hat. ›PECH‹ bedeutet einerseits das Unglück oder die Pechsträhne. Gleichzeitig ist da aber auch dieses Schulterzucken: Pech gehabt. Scheiß drauf. Weitermachen«, erklärt Levin Liam. Dass »PECH« trotzdem wie aus einem Guss wirkt, hat viel mit Levin Liams Arbeitsweise zu tun. Als Executive Producer hat er die Songs mitentwickelt, an vielen Stellen selbst die Drums gebaut und das Album bis tief in Feinheiten wie das Sequencing mitgestaltet. Kleine Outros, Zwischensequenzen und eine Hopecore-Andacht des Wieners Flaschko geben dem Album zusätzliche Tiefe und Luft. Auch visuell bleibt Levin Liam federführend: Gemeinsam mit Aysan Lamby entwickelt er die Bildwelt des Projekts, während er den Schnitt seiner Videos bis heute selbst übernimmt. »Diese Liebe zum Detail und dieses kreative Perfektionieren – das ist eigentlich das, was mir an dem Beruf am meisten Freude macht.«  Wie weit Levin Liam diesen Weg inzwischen gegangen ist, zeigte zuletzt auch ein besonderer Live-Moment: Am 4. März spielte er ein ausverkauftes Konzert in der Elbphilharmonie in Hamburg. Ein Abend, der sinnbildlich für das steht, was in den vergangenen Jahren mit diesem Projekt passiert ist. Aus einem kompromisslos eigenen Entwurf, der einmal klein, direkt und radikal DIY begann, ist ein künstlerisches Universum geworden, das heute die unterschiedlichsten Räume füllen kann — vom intimen, fast zerbrechlichen Moment bis zur großen Bühne eines der renommiertesten Konzerthäuser des Landes. »PECH« von Levin Liam erscheint am 24.04.2026. Diesen Sommer ist Levin Liam mit den neuen Songs unter anderem beim Hurricane, Southside, Highfield und dem St. Gallen Open Air zu sehen. Im Januar 2027 folgt dann die »PECH«-Tour durch Deutschland und Österreich.

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