
In Nils Keppels Debütalbum „Super Sonic Youth“ hallt der Geist einer zu schnell gelebten, wie ein Fiebertraum vorbeiziehenden Jugend wider. Der Geist, der, unbefriedigt vom jähen Ende des Rausches, bis in alle Ewigkeit dieselben Fragen spuken lässt: Haben wir es vollends ausgekostet? Haben wir es genossen, solang es noch anhielt? Textlich befasst sich Nils Keppel diesmal mit weniger zwischenmenschlicher Romantik, denn mit der, die ihn im Angesicht verloren geglaubter Zeit für das Leben selbst befiel. Mit der nihilistisch-übermütigen Attitüde seiner Lyrics ist Nils Keppel Symbol einer Generation, die sich verdammt fühlt, doch der unausweichlichen Katastrophe ins Gesicht lächelt. Der supersonic Sound jagt mit Gelassenheit. Nils Keppel ist kein Opportunist, sondern sich seiner Sache sicher. Zwischen dringlichen, rohen Riffs, organisch klingenden Drums und Vocals, die mal klagen, mal verhöhnen, zielt das Album auf die instrumentelle Berufung auf’s Wesentliche. Gespickt mit kontrastierenden Produktions-Anwendungen und detailverliebten Kniffen entreißt es sich den Fängen der Zeit. Sollte es mit der Welt also wirklich zu Ende gehen, sollte es neuen Lebensformen schwerfallen, die aus den Trümmern geborgene Vinyl zu „Super Sonic Youth“ einer zwischen den 1970ern und unserer Gegenwart liegenden musikalischen Epoche zuzuordnen.

