Haiyti

Haiyti hat den ECHO gewonnen, das Feuilleton um die Finger gewickelt, hunderte Millionen Streams gesammelt und noch mehr Projekte veröffentlicht. Dabei hat sie nicht einmal Zugang zu Spotify for Artists. Die alten Regeln, die alten Gewissheiten, sie gelten nicht mehr. Es ist eine neue Ära. Und King Haiyti I schreibt ihre Regeln. Die vermeintlichen Grenzen zwischen Straße und Avantgarde, Untergrund und Pop: Haiyti hat sie eingerissen. Als Einzelkämpferin im Über-Macho-Geschäft Deutsch-Rap. Und als Ausnahmeartist*in in ihrem ganz eigenen Universum. Sie hat brettharten Trap gemacht, zuckersüße Straßenschlager, heillos überladenen Hyperpop, Balladen aus Benzin und Dancehall-Derivate für Menschen, die die Sonne nie zu Gesicht bekommen. Am liebsten macht sie alles gleichzeitig. Ob es in die Playlist passt? Das sollen sich andere fragen. Haiyti macht lieber Kunst – und kümmert sich um die Kasse für die nächste Nacht. Nach diversen Major Deals und zahlreichen Zusammenarbeiten mit der Producer Elite der deutschen Musiklandschaft hat sich Haiyti inzwischen komplett freigemacht – nicht nur von musikalischen Vorgaben, sondern auch von den Einschränkungen der Industrie. Sie musiziert auf eigene Faust, und das 24/7. Neue Songs, neue Styles und dazwischen die eine oder andere Bühne abreißen. Der Titel „Oubliette“ bedeutet im Französischen wörtlich ein Verlies – ein Ort, an dem man jemanden „vergisst“, abgeleitet vom Verb oublier (vergessen). Für manche ist Haiyti in Vergessenheit geraten. Die Zeiten von City Tarif, dem Echo und Montenegro Zero sind passé. Die Künstlerin allerdings lebt weiter – auch ohne PR-Agentur. Ist dies das Ende einer Ära? City Tarif ist zehn Jahre her. Der Mega-Hit blieb aus, die schlaflosen Nächte nicht. Die meisten Menschen wissen nicht, was es bedeutet, wenn man nicht anders kann, außer zu machen, was man muss. Hier Teil 1 einer Mixtape-Reihe, die seinesgleichen sucht. Haiyti geht tiefer in die Materie als sonst. „Kleine Schwester“ ist ein sehr privater Einblick und beschäftigt sich mit Haiytis Kindheit, in der die beiden Geschwister alleine gelassen wurden. „Glühwürmchen“ beschreibt eine erloschene Hoffnung. „Eine Nacht in Medellín“ – ein Moment, den man auf keinen Fall loslassen darf. Inspiriert wurde Haiyti von Artists aus den Favelas – spezielle Drums aus Brasilien. Ob das alles wieder auf Deutsch geht? Ja, sicherlich! Wie dieses Genre heißt, man weiß es nicht: Deutsche Weltmusik? Beile? Gangster Rap? Emo Pop? Sie komponierte die sieben Songs selbst. Durch die Hand ihres Engineers Mujik suchte sie Sounds in jeder Rubrik und fügte sie zusammen. Backe backe Kuchen – Haiyti hat gerufen.

www.haiyti.com