Klez.e

Vorrede. Von Sekunde eins an ist es da. Es türmt sich auf, überlebensgroß und mit einer nahezu existenziellen Dringlichkeit. „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“ ist das sechste Studiowerk der Berliner Band Klez.e. Es ist von der düsteren Ahnung getrieben, dass da draußen gerade etwas kippt, und es setzt dieser Bedrohungslage etwas entgegen. Klez.e, das sind fast 25 Jahre nach der Bandgründung: Tobias Siebert (Gesang, Gitarre), Daniel Moheit (Synthesizer, Bass) und Filip Pampuch (Schlagzeug, Percussion). Waren die Vorgänger „Erregung“ (2023) und „Desintegration“ (2017) von einer grimmigen Düsterheit geprägt, ist diese Trostlosigkeit einer bislang ungehörten musikalischen Luftigkeit gewichen. Und es ist, als habe sich die Band beim Schreiben der Songs auch erstmals bewusst gegen die Furcht vor dem Erzählen gestemmt. An die Stelle früherer Verklausulierung ist eine neue textliche Klarheit getreten. Dabei muss man nicht wissen, dass Siebert auch Alben für Künstler und Bands wie Phillip Boa and the Voodooclub, Monolink und Juli produziert. Aber es leuchtet unmittelbar ein, bedenkt man die Rolle, die die Klangarchitektur bei Klez.e spielt. „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“ ist eine Kathedrale von einem Album: akustisch weit, mit glatten, kühlen Oberflächen, atmosphärisch dicht und verhallt. Das Licht, das durch die Fenster hereinfällt, verdrängt die Dunkelheit und malt hier und da tanzende Flecken auf den Boden und an die Wände. Gleich der Opener „Hymnus“ steht wie ein massiver Monolith im Raum, mit einer flächigen, triumphierenden Melodie, hohl donnernden Toms und Klavierakkorden so tief wie der Marianengraben. Mitten dort hinein singt Siebert, als hätte er in den Jahren, die seit dem letzten Album vergangen sind, nur Luft geholt: „Schau auf das, was du hast / Schau auf das, was du verpasst / Da ist ein Licht, das auf uns scheint / Für diese superkurze Zeit“. Damit setzt „Hymnus“ die Themen dieses Albums. Es handelt sich um die vorläufige Bilanz einer Band im mittleren Alter: eine Zeit, in der Menschen auf den bisher zurückgelegten Weg schauen, an diejenigen denken, die gegangen, und diejenigen, die geblieben sind. Gleichzeitig denkt „Einmal mehr…“ über den gegenwärtigen politischen Moment nach und darüber, wie man dem, was da passiert, begegnen kann.

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