
Marlon Hammer macht schon mit seiner ersten EP deutlich: Hier ist einer, der sich etwas traut. 2022 veröffentlicht er „44803 Bochum 2“, ein Titel, der sich auf das Studioalbum „4630 Bochum“ von Herbert Grönemeyer aus dem Jahr 1984 bezieht. Und auch wenn direkte Vergleiche mit lebenden Ikonen immer dünnes Eis sind: Einige Parallelen lassen sich kaum von der Hand weisen. Marlon Hammer ist ein Kind des Ruhrpotts, und der Bochumer bringt einige unverkennbare Merkmale mit. Seine Stimme sticht aus der Masse heraus – sonor, markant, immer leicht belegt –, seine Texte machen mit kleinen Alltagsbeobachtungen große Bilder auf und, typisch Ruhrpott: Er singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. „Ich fass dich nicht“ hieß die erste Single aus dem Debütalbum „Szenarien“, das am 25. April 2025 bei Telamo/BMG erscheint. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer rasanten Entwicklung, die dem Pop-Singer-Songwriter in den letzten zwei Jahren eine schnell wachsende Fangemeinde (90k Follower:innen allein bei TikTok), erfolgreiche Singles wie „Angenehm kühl“ (1,7 Mio. Spotify-Streams) und mediale Präsenz bescherte, zuletzt etwa in der VOX-Primetime-Show „The Piano“ (wo er neben seiner eigenen Single „Zu dir fällt mir nichts mehr ein“ Grönemeyers Song „Halt mich“ am Piano sang). Dabei entspann sich zwischen Igor Levit und Mark Foster beim heimlichen Beobachten von Marlons Performance folgender Dialog: „Das ist gut. Das ist mehr als gut!“ (Mark Forster) „Er klingt nicht wie ein 19-Jähriger.“ (Igor Levit) „Er klingt wie ein 19-Jähriger mit einer geilen Stimme.“ (Mark Forster) „Besonderer Typ.“ (Igor Levit) Kann man so stehen lassen. Und beliebig ergänzen, denn Marlon Hammer ist für seine (mittlerweile) 20 Jahre tatsächlich ein beeindruckend kompletter Künstler. Und wie bei jedem Ausnahmetalent steckt auch dahinter: viel Arbeit. „Ich habe wirklich mega jung angefangen, Straßenmusik zu machen“, erzählt Marlon. Was damals den praktischen Nebeneffekt hatte, sein Taschengeld aufzubessern, ist heute der Grund dafür, dass er ein echtes Multitalent ist: Marlon spielt Gitarre und Klavier, schreibt seine Musik und Texte selbst und hat ein außergewöhnliches Gespür für gute Hooklines. All das kommt auch in „Ich fass dich nicht“ zusammen, ein Song über eine Person, die selbstbewusst durchs Leben geht, denkt und sagt, was sie will, und Marlon damit sehr beeindruckt, aber wohl gerade deshalb für ihn unerreichbar bleibt: „Du schämst dich für keinen Film, den du nicht kennst / Und sagst direkt, wenn du ein Lied scheiße findest / Du lachst nicht mit, wenn du die Witze nicht verstehst / Und du gehst nicht, nein du schwebst“, singt er zu Klangflächen, die ebenfalls zu schweben scheinen, während sie von krachenden Drums und nervös tickenden Snare-Einschüben perforiert werden. Eine weitere Vorliebe Marlons, die in „Ich fass dich nicht“ zum Tragen kommt: Er liebt es, etablierte Sprüche oder Redewendungen in einen neuen Kontext zu stellen. So wird aus „Ich fass‘ dich nicht“ im weiteren Verlauf des Songs „Ich fass dich nicht – an“, eine Kunstpause, die den Worten eine völlig neue Bedeutung gibt. Auch „Bisschen am Arsch“, die zweite Single (14.3.), spielt mit diesem Verfahren. Der Song geht raus an Blender, die ständig mit ihrem coolen Lifestyle prahlen, in Wirklichkeit aber die einsamsten Menschen sind. Marlon hingegen war zwar noch nie in Paris, Wien oder Venedig, sondern „bisher in meinem Leben nur am Arsch“, aber wenn es darauf ankommt, kann er sich auf Freunde und Familie verlassen. Seinem Gegenüber hingegen kommt beim Gedanken an seine Liebsten nur „das Bild von deinem Vater, wie er Zigaretten holt“, in den Kopf. Und nie mehr wiederkam. Die gute Nachricht: Jetzt ist Marlon da. „Komm, verbring den Rest von deinem Leben in meinem Arm“, bietet er an, begleitet von einer flirrenden Pop-Produktion mit gefühlvollen Gitarren-Licks und sattem Bass-Punch. Marlon Hammer gibt „am Arsch“ als ehrliches Reiseziel für all jene aus, die sich Paris, Wien und Venedig nicht leisten können oder einfach nie dort ankommen, weil sie im Leben ständig stolpern. Es gibt diese Menschen, die mit einer Siegerpose durchs Leben marschieren und nie auf die Schnauze fallen. Marlon Hammer gehört nicht dazu – und genau das macht seine Songs so authentisch und relatable. Wenn er ein Date „Im Park“ (11.4.) hat, fängt es mit ziemlicher Sicherheit genau dann an zu regnen. Dumm gelaufen, aber noch lange kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen, nicht umsonst ist der gleichnamige Track eine launig vibende Piano-Jam mit ausgelassenem Background-Gesang. „Bitte sag nicht nein, am schönsten wäre ein uuuuuuuuuuhuhuuuuuuuuu“, ermuntert Marlon sein Gegenüber, einfach mit in den Gesang einzustimmen. Diese und andere „Szenarien“ des Alltags (und wie man damit umgeht) hält das kommende Debütalbum bereit. Mark Forster und Igor Levit freuen sich bestimmt schon drauf.
