
Franzen – Musik und Medien tendieren derzeit dazu vor allem Erfolg, Optimierung und Positivität zu feiern. Franzen macht etwas anderes. Er singt über das Scheitern. Über die Zweifel, die Ängste, die Abgründe, und darüber, dass genau darin etwas zutiefst Menschliches und Verbindendes liegt. Seine Songs sind eine warme Umarmung für das Unperfekte. Nicht als Trost, sondern als Bejahung. Sigmund Freud schrieb 1895 in den „Studien über Hysterie“, viel sei gewonnen, wenn es gelinge, neurotisches Elend in gemeines Unglück zu verwandeln. „Manchmal“ bringt genau diese Verwandlung zum Ausdruck: Die dramatischen inneren Konflikte, die Selbstzweifel, die kleinen Feigheiten, die stillen Gemeinheiten, werden zu etwas Gemeinsamen, Alltäglichen, Teilbaren. Nicht mehr neurotisches Elend, sondern gemeines Unglück. Und damit etwas, das uns verbindet statt isoliert. In einer Sprache, die so klingt, als würde man sich selbst beim Denken zuhören, zählt Franzen auf, was wir alle kennen, aber selten laut aussprechen: „Manchmal fällt es mir schwer, anderen was Gutes zu gönnen / Manchmal lasse ich meine Launen an Menschen aus, die nichts dafür können.“ Alltagssprache, die nichts davon pathetisch klingen lässt, sondern vertraut. Und dann der Refrain: „Manchmal ist oft, aber nicht mehr jeden Tag.“ Ein Satz, der zugleich das Gewicht der Schwächen anerkennt und einen leisen Optimismus trägt. Es wird nicht leicht, aber ein ganz kleines bisschen leichter.
