
Wenn ein Pflaster die Wunde umschließt, tut es gefühlt weniger weh. Ebenso verhält es sich mit Magdas EP, die sich sanft auf unsere verletzten Herzen legt – ob Weltschmerz, Liebeskummer oder Identitätskrisen. “Pflaster” ist das Debüt-Release der Linzer Newcomerin, die Anfang diesen Jahres mit ihrem spektakulären Single-Auftakt “Brich mich” die Szene geentert und sich innerhalb kürzester Zeit einen Namen gemacht hat. Auf der fünf Track starken Veröffentlichung besingt Magda die vielschichtigen Nuancen zwischenmenschlicher Beziehungen, zelebriert Verletzlichkeit als unsere größte Stärke und sorgt mit unvergleichbar lyrischer Finesse auf emotionaler wie auch musikalischer Ebene für großes Kino. Wie den meisten ihrer Songs liegt auch dem Titeltrack “Pflaster” ein pochendes Gefühl zugrunde, dem Magda sich zunächst hingibt, um es dann Schicht für Schicht abzutragen. Um Hilfe zu bitten und psychische Erkrankungen offen anzusprechen, stellt für viele Menschen eine unüberwindbare Hürde dar. Zu groß ist die Scham, als schwach zu gelten, auf Unterstützung angewiesen zu sein oder seinem Umfeld zur Last zu fallen. Aber wenn es einer geliebten Person nicht gut geht und die Optionen sich entbehren, für diese Person da zu sein, macht sich auch auf der gegenüberliegenden Seite ein Gefühl der Ohnmacht breit. Wenn man sich gegenseitig nicht auffangen kann, ist manchmal alles, was bleibt, ein “Ist mir nicht egal, wenn du weinst”. Diesen Prozess macht die vieltalentierte Musikerin nicht nur transparent, sie legt ihn behutsam in poetische Bilder und zeichnet Zeilen, die unter die Haut gehen. Dabei begleitet sie sich selbst am Klavier und an der Geige mit eigenen Kompositionen, die gemeinsam mit ihrer mal hauchzarten, mal nachdrücklich fordernden Stimme die cinematische Dynamik tragen. Magdas Virtuosität zeigt sich allerdings nicht nur durch die einzelnen ausgeprägten Fähigkeiten – es ist das Gesamtwerk und dessen unverkennbare Atmosphäre, die in der derzeitigen Musiklandschaft ihresgleichen sucht. Die bereits releasten Singles “Brich mich”, “Wandrisse” und “Zeig mir” lassen sich allesamt als Oden an die Vulnerabilität beschreiben, sie erzählen vom Kampf um Resilienz, bröckelnden Fassaden und den darunter verborgenen Schätzen. Ob die Schönheit des Scheiterns (“Brich mich”), Vollkommenheit trotz Narben (“Wandrisse”) oder (queere) Liebe als eine Form des Widerstandes (“Zeig mir”) – Magda gelingt es sowohl mit ihrer Themenwahl als auch mit der feinsinnigen Art und Weise, ihren Gefühlen dazu Ausdruck zu verleihen, eine ganz neue Welt zu erschaff en. Die Komponistin, Sängerin und Schauspielerin weiß nicht nur mit ihrer Stimme sowie ihren Instrumenten umzugehen, sie bewegt sich zudem lyrisch auf außergewöhnlichem Niveau und verfasst Strophen, die sich ins Herz brennen. Magda gräbt sich auf ihren Songs vorsichtig, aber unermüdlich unter jedwede Oberfläche und bringt verkrustete Diamanten aus Selbstzweifeln, inneren Dämonen und Verlustängsten zum Vorschein. “Mondkind” als letzter und bisher unveröff entlichter Song skizziert eine tiefgreifende Verbindung und lässt die EP mit einem Liebesgeständnis in magdaesker Art ausklingen. Verliebt sein bedeutet oft, die andere Person zu idealisieren und sich in utopischen Projektionen zu verlieren. Da der Mond als immerwährende Quelle unendlichen Lichts gilt, steht er sinnbildlich für die Unfehlbarkeit, die wir unserem Gegenüber zuschreiben. Mit Zeilen wie “Bilder entstehen, gehören in Museen / Wie wir uns drehen, im Regen von Ideen” erinnert sich Magda sehnsüchtig an besondere Momente und flüchtet sich zeitgleich gekonnt in die Vorstellung, für immer in dieser Idee zu verweilen. Mit “Pflaster” erscheint Mitte September ein Manifest in EP-Form, das mit herzzerreißenden Balladen dafür plädiert, Zuschreibungen zu hinterfragen, mit Normen zu brechen und zarter mit uns (selbst) umzugehen. So bedeutet ein Pflaster zwar keine Garantie auf vollständige Heilung, es markiert jedoch sichtbar die Wunde und erinnert uns an das, was wir weder verstecken sollten, noch ignorieren können. Magda wagt auf ihrem Debüt den Versuch, das Unfassbare großer Gefühle greifbar zu machen, wenn Worte allein nicht genügen – und schafft uns und sich selbst einen poetischen Zugang zu schmerzhaften Bruchstücken ihres Herzens. Dass die gerade mal 22-jährige Linzerin nicht nur vom Band, sondern auch auf der Bühne brilliert, hat sie bereits vor ihrem ersten Release eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Als Violonistin des Indie-Artists Berq, sammelt sie bereits erste Live-Erfahrungen – um nun auf ihren ersten Solo-Shows und als Support-Act von Berq und Provinz ihre eigenen Songs zu präsentieren.
