2021 war „Du strahlst so schön“ die erste Lehmanski-Single nach 13 Jahren. Mittlerweile sind wieder ein paar Jahre ins Land gegangen und der Song hat sich festgesetzt: im Lehmanski-Repertoire, in den Ohren der Leute. „Irgendwann hatte ich die Idee, dass der Song noch besser zur Geltung kommen könnte, wenn er auf dem Klavier gespielt wird“, sagt der Lehmanski. Mit dem Bochumer Korjun fand der Lehmanski einen Pianisten, der das Stück glasklar umsetzte. Sarah Welker aus Waltrop, die schon einigen Songs auf dem 2022er-Lehmanski-Album ihren Stempel aufgedrückt hat, verleiht mit ihrer Stimme auch diesem Song das gewisse Etwas. So entstand eine Version ohne großes Pathos, aufs Wesentliche reduziert. Als „Piano-Version“ erscheint der „Du strahlst so schön“ also jetzt zum zweiten Mal: als Video auf YouTube und in Online-Shops und bei Streaming-Diensten. Der Text von „Du strahlst so schön“ ist nicht tiefsinnig, sondern eher hintergründig. Es geht um das vermeintliche Strahlen von Menschen, die sich als Mittelpunkt der Welt sehen. Um Personen, die sich und ihr Wirken gerne im Spiegel betrachten, die versuchen, mehr zu erscheinen, also sie sind („Du hast dich längst schön aufgeblasen“). Der Text ist wie vom Lehmanski gewohnt auf Deutsch; nicht weil es trendy ist, sondern weil sich der Lehmanski in der deutschen Sprache am Wohlsten fühlt. Der Lehmanski wuchs im Norden des Ruhrgebiets zwischen Zechen und Kanälen auf. Im Alter von fünf Jahren schlug er die ersten Gitarrenakkorde an. Sein Ziel: „Ich wollte immer Rockmusik machen, obwohl ich das Etikett schon lange etwas peinlich finde.“ Mit dem aufgesetzten Poser-Image einiger Bands kann Lehmanski nichts anfangen. Dafür fühlt er sich im Alternative-Spektrum wohl: Zu seinen Einflüssen und Vorbildern gehören unter anderem Bands wie Die Sterne und Blumfeld, aber auch The Cure, Hüsker Dü und die Pixies oder Afghan Whigs. In den 2000ern zog Lehmanski nach Hamburg. 2008 veröffentlichte er sein erstes Soloalbum „Blutige Wiesen“, nachdem es ihn wieder in den Süden, diesmal nach Düsseldorf verschlagen hatte. Von 2013 bis 2020 gehörte er Indierock-Gruppe Herrenmoos an, für die er den Großteil der Songs beisteuerte. 2022 erschien seine zweite Solo-Platte „Du strahlst so schön“. Seinen gitarrenlastigen Sound, den das Ox-Fanzine als „angenehm schrammelig“ beschreibt, nennt Lehmanski selbst IndieProck – ein Mix aus Indierock und Indiepop. „In den 1980er-Jahren habe ich meine ersten eigenen Songs gemacht – es wurde nie stinknormale Rockmusik. Sie war immer anders. Was mir dann so vorkam, dass ich vielleicht gar keine richtige Musik machen kann“, erzählt der Lehmanski. Fehlanzeige. Seine Titel klingen vertraut und doch völlig anders. Und das fällt auf: 2023 gewann Lehmanski den Deutschen Rock- und Poppreis in der Kategorie „Beste Alternative-Band“ für den Song „Du strahlst so schön“. Beim Songwriting setzt sich der Lehmanski selbst Grenzen, greift aber immer auf die Gitarre zurück. Mit Effekten geht er sparsam um, mit Melodien setzt er Akzente. Gelegentlich holt er sich andere Instrumente wie Keyboard, Glockenspiel oder Trompete an Bord. Er verzichtet auf Ich-Erzählungen und setzt lieber auf Ironie. Seine Texte handeln zum Beispiel von Narzissmus, Nachhaltigkeit oder vom ganz alltäglichen Wahnsinn. Der Lehmanski lebt in Düsseldorf und leitet sein eigenes Indie-Label Mofapetra-Records. Für 2025/2026 steht der Release seines dritten Albums an. Auch auf der kommenden Platte wird nix artsy-fartsy, denn als Künstlertypen sieht sich Lehmanski nicht. Er macht halt Musik. Und wie man die hören sollte? „Laut. Immer. Überall“, sagt der Lehmanski.
