
Im einen Moment würde man sogar im dritten Stock von Balkon zu Balkon klettern, nur um diese eine Person noch einmal heimlich zu treffen und im nächsten kann man ihr nicht einmal mehr einen Grund nennen, warum man sie nie wiedersehen will. Es hat etwas zutiefst trauriges, dass Menschen, die einem einmal alles bedeutet haben, irgendwann einfach nicht mehr wichtig für einen sind, wenn einen die Wege in unterschiedliche Richtungen führen, man sich langsam auseinanderlebt oder Gefühle einfach verwässern, bis sie nach nichts mehr schmecken. Man kann sich zwar noch daran erinnern, wie stark Gefühle waren, aber sie nicht mehr fühlen. Und trotzdem ist es schön, dass man diese Verrücktheiten begeht und wenn man mit Wehmut daran denkt, was man verloren hat, wünscht man sich, dass man noch einmal Gefühle hat, die einen von Balkon zu Balkon hüpfen lassen. Ein Song wird nur dann richtig gut, wenn man ein Stück von sich selbst hergibt. Und wenn Ulrich Ida Zeppelin allein am Klavier sein Herz ausschüttet, dann merkt man, dass hier etwas Echtes, Ehrliches und Intimes erzählt wird. Denn mehr braucht es nicht als ein Klavier und eine ehrliche Stimme. Ulrich Ida Zeppelin singt vom Verpassen: dem Verpassen von Chancen, letzten Bussen und Perseiden, dem Verpassen des richtigen Moments, um umzudrehen. Er suhlt sich in den Gedanken daran, was hätte sein können und findet dabei einen selbstironischen Umgang mit dem Scheitern an alltäglichen Lebenssituationen.
