
Wie ein verschwommenes Bild aus einer anderen Realität breitet sich „In einem anderen Leben“ auf der inneren Leinwand aus. KAMERA schreibt in seiner zweiten Single filmisch über eine Erinnerung an Gestern oder irgendwann. An eine Begegnung, kurz vielleicht, oder für immer. Totale, Close-Up, Gegenschnitt, Splitscreen, Fadeout. Warm und distanziert zugleich entfaltet sich ein Klangbild, das mehr fühlt als erklärt. Im Hintergrund flackern Fragmente, vertraut und doch verschoben. Verfremdete Sounds aus einem Parallel-Universum. Ein Hauch Stranger Things, Mike und Eleven die wie Geister aus dem Off die Frage stellen: Wer könnte man sein, wenn alles anders wäre? „In einem anderen Leben gibt es eine Chance für uns oder im Upside Down wo Zeit und Raum gespiegelt sind.“ Zwischen Sehnsucht, Parallelwelten und Popkultur entwirft KAMERA einen melancholischen Synthpop-Song über die Möglichkeit einer anderen Identität. KAMERA ist das Herzensprojekt des Bremer Künstlers Felix Reisel, der als Sänger, Performer, Komponist und Produzent Pop,Theater und elektronische Klangforschung miteinander verbindet. Seine Songs bewegen sich zwischen soulful Indie-Pop, Hip-Hop-Einflüssen und analoger Elektronik. Maschinen werden dabei zu Mitspielern – zu einer Band aus Synthesizern, Samplern und Drum Machines, in deren Schaltkreisen überraschend viel Gefühl steckt. „In einem anderen Leben“ von KAMERA erscheint am 15.05.2026 als zweite Single des zugehörigen Albums „Cyborg Love“. Felix Reisel baut Welten – auf Theaterbühnen, im Tonstudio und in der Popmusik. Mit seinem Pop-Act KAMERA verwandelt der Bremer Künstler Songs in kleine Bühnenstücke und Konzerte in performative Räume: eine eigenständige Mischung aus Indie-Pop, Soul, elektronischer Klangästhetik und Theater. Auch jenseits von KAMERA bewegt sich Reisel im Spannungsfeld von Musik, Performance und Theater. Er studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis mit den Schwerpunkten Musik, Theater, Literatur und Medien an der Universität Hildesheim und schloss mit Diplom ab. Heute lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in Bremen. In seinem Werk verbindet Reisel unterschiedliche Disziplinen zu einer klar erkennbaren Handschrift. Besonders deutlich wird das in KAMERA: Hier vereint er seine Arbeit als Sänger und Performer, Komponist und Texter, Multiinstrumentalist und Produzent – und prägt zugleich maßgeblich das visuelle Erscheinungsbild. In den vergangenen Jahren hat er KAMERA, gefördert unter anderem durch Stipendien der GEMA, des BV Pop und der Stadt Bremen, als deutschsprachigen Indie-Pop-Act etabliert. Es entstanden mehrere Singles, ein Musikvideo sowie eine Debüt-EP auf Vinyl, begleitet von Clubkonzerten, Festivalauftritten und eigens entwickelten performativen Live-Formaten. Zudem war er als Live-Act in einer Fernsehshow von Radio Bremen zu sehen. Im Juni 2026 erscheint auf Hey!blau Records das Debütalbum *Cyborg Love*. Die Songs verbinden elektronische Popproduktionen mit Soul und poetischen deutschsprachigen Texten. Sie erzählen von Nähe und Entfremdung, von Körpern und Daten, von Liebe im Zeitalter der Maschinen. Ab Herbst 2026 kuratiert und hostet KAMERA zudem eine eigene „Tiny Desk Concerts“-Reihe im Zentrum für Kunst in Bremen. Reisels musikalische Arbeit reicht weit zurück: Bereits Ende der 1990er Jahre stand er als Gitarrist, Frontmann und kreativer Kopf einer Funk-Rap-Band auf der Bühne und war als Rapper Teil der deutschen Hip-Hop-Szene um die Jahrtausendwende. Während seines Studiums folgten DJ-Gigs und eigene Veranstaltungsformate; später gründete er gemeinsam mit einem Partner das Drum’n’Bass-Label „beatalistics records“ und vertiefte parallel seine Kenntnisse in der Musikproduktion. Neben seiner Studioarbeit, in der er auch für andere Künstler*innen komponiert und produziert, ist Reisel eng mit dem Theater verbunden. Er arbeitete für zahlreiche Häuser, darunter Theater Bremen, Deutsches Theater Berlin, Schauspiel Essen, schauspielhannover, Stadttheater Bremerhaven und Junges Schauspielhaus Hamburg – als Theatermacher, musikalischer Leiter und Performer. Für den MDR komponierte und produzierte er außerdem die Musik zu einem Hörspiel. Darüber hinaus schreibt er Theatertexte und arbeitet derzeit an einem Kinderbuch. In Felix Reisels Arbeit greifen Theater, Performance und Popmusik kontinuierlich ineinander. Mit KAMERA verdichtet sich das zu einer eigenen künstlerischen Sprache – einer, in der Songs nicht nur gehört, sondern erlebt werden. Mit der Stimme von Felix Reisel kommt die Musik von KAMERA angeschwebt – mal in einen Vocoder eingehüllt, mal im Falsett, manchmal auch im Sprechgesang. Zuerst ist da der Eindruck von Weichheit. Und dann aber auch, dass das bei aller Softness auch ganz schön doll groovet und bounct. Die zehn Songs auf „Cyborg Love“, dem ersten Album von KAMERA, verbinden Soul, Art-Pop und Hip-Hop und schicken dann diese Mischung mit sanftem Nachdruck einmal durch die Maschinen. Dutzende Mixer, Filter, Synthies, Sampler und Beat-Generatoren bilden so etwas wie eine Band und sorgen dafür, dass man nie den Eindruck hat, man würde ein Soloalbum hören. KAMERA ist eine Ein-Mann-Band aus Geräten, bedient und ins Laufen gebracht von einem Künstler, der das Menschliche nicht automatisch mit dem Klang einer Akustikgitarre verbindet und das Künstliche nicht automatisch mit dem Maschinellen. Derartige gelernte Zuschreibungen lassen sich auflösen, durcheinanderbringen und neu mischen, in diesem Fall im Sound. KAMERAs Musik ist betont künstlich, ohne dass sie dadurch technisch, distanziert oder gar kühl wirken würde. Die Synthies sind analog, seine Maschinen voll Seele. Keine tiefe deutsche Seele, sondern „Soul“ und dabei den Körper stets auf dem (Dance)Floor. Am direktesten im Track „DJ“, einer musikalisch komplex gebauten Feier des Nachtlebens in all seinen Ambivalenzen. Die Songs von KAMERA singt eine alien-artige und zugleich sehr menschliche Kunstfigur – straight from the heart. Stimmtonalität und Outfit sind fluide. „Ein paar aus meiner Crew, Daddy / wurden von ihren Daddies hart gemacht / aber du, Daddy / du kannst der sein, der das anders macht“ und „Ich liebe deine Softness“ singt Felix Reisel in der ersten Singleauskopplung („Softness“ VÖ 20.03.26). Ähnlich gestimmt ist „Safe Space“, in dem eine bei aller Vocoder-Androgynität dann doch als männlich lesbare Stimme endlich mal bekundet, dass sie Sicherheit im anderen sucht und braucht: „Bist du mein Safe Space?“ Und dazu dann langsam sich übereinander schichtende Gitarren, die klarmachen, dass der Safe Space hier kein Wohlfühlraum ist, sondern ein existenzielles Bedürfnis. Genauso verletzlich zeigt sich der der Welt entrückte Außerirdische auch in „Tränentattoo“. Ein Sprechgesang über einen minimalen Beat und einen weichen, tiefen Bass – „Cry me a river / Lieferando bringt Pizza / Ich esse und sitz da“. Und: „Will nicht wissen / wie ich ausseh / wenn ich rausgeh / um Menschen aus dem Weg zu gehen“. Entfremdung, beim gleichzeitigen Wunsch, mal wo anzukommen, klingt selten schöner. Überhaupt, die Unsicherheit. Die Kunstfigur KAMERA verkörpert das Gefühl, sich unter den Normalen wie ein immer wieder staunendes Alien zu fühlen. Der Welt zugewandt und trotzdem in Distanz zu ihr. Der Titeltrack „Cyborg Love“ ist ein wunderschön androgynes R’n’B-Stück, eine Hommage an ein geliebtes, undefinierbares Wesen. Eine deutschsprachige Anknüpfung an Björks legendäre Hymne an die Liebe des Künstlichen und Maschinellen, „All Is Full of Love“. Was eh programmatisch ist: Fast alles auf diesem Album dreht sich um eine Liebe, die nichts Eroberndes mehr zu haben braucht. Die Erleichterung an der Stelle ist groß. Dass man als Mensch, der liebt, immer auch bedürftig und verletzbar ist, gehört dazu („Wie ein Junkie den Schuss braucht / so brauch ich dich“). Softness in ganz verschiedenen Formen ist in dieser Musik die Voraussetzung für Soul, und der Soul kommt aus der Maschine: mittels Sound auf der Suche nach der Liebe, in all ihrer Vielfalt, in den Apparaten: „Cyborg Love“ ist eine Art Manifest, das Weichheit als Gegenmittel zu Lieblosigkeit und Härte postuliert.
