
FLITTERN machen mit ihrer neuen Single das, was sie besonders gut können: Ernste und komplexe Themen in poppigen Punksongs auf den Punkt zu bringen. In „Fehler 3000“ geht es um die Schwierigkeit, den eigenen, dysfunktionalen Coping-Strategien zu entkommen. Zugegeben, es ist vermutlich etwas ungewöhnlich, diesen Infotext mit einer Anekdote über die Stadt Koblenz zu beginnen, but here we go: Auf der Koblenzer Europabrücke gibt es seit Ewigkeiten zwei fest installierte Blitzer. Das wissen alle, die in Koblenz und Umgebung wohnen, ebenso wie diejenigen, die versucht haben, die Brücke mit mehr als der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit (erst 70, dann 50 km/h) zu überqueren. In „Fehler 3000“ besingen FLITTERN wie es ist, wenn sich das ganze Leben so anfühlt, als würde man Tag für Tag mit 100 über die Europabrücke brettern, in der Hoffnung, diesmal nicht erwischt zu werden. Denn FLITTERN sind gut darin, im Leben wieder und wieder die gleichen Fehler zu machen: Sich auf irgendeinen Quatsch einlassen, um möglichst von allen gemocht zu werden. Den Schnaps nicht sein zu lassen, obwohl die Morgen mit dem Kopf über der Kloschüssel mit jedem Mal schlimmer werden. Sich jahrelang den Versuch verbieten, glücklich zu werden, weil glückliche Menschen die Welt halt nicht kapiert haben. Alle retten wollen, nur nicht sich selbst. Das Tückische am Erwachsenwerden ist vielleicht, dass die Workarounds, die wir uns selbst als Coping-Strategien verkaufen, so lange funktionieren, bis sie das nicht mehr tun. Spätestens dann wird aus cope „hope“. Und weil diese bekanntlich zuletzt stirbt, brettern wir weiter Tag für Tag mit 100 über die Europabrücke. Verdammtes Koblenz! The good news: Es gibt sie tatsächlich, die Hoffnung. Kann schon sein, dass FLITTERN so dumm sind, den gleichen Fehler dreitausend Mal zu machen. Aber vielleicht machen sie ihn nicht dreitausendundein Mal. Und so ist „Fehler 3000“ durchaus eine kleine, nicht-turbokapitalistische und nicht-toxische Lesart von „Ich wär so gern meine beste Version!“, in der es ausdrücklich nicht um Mindset, Cold Calls, Skalieren und gefährliche Falschaussagen wie „Glück ist eine Entscheidung“ geht. Vielmehr geht es darum, nicht wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder mit den Fingern in den gleichen (oder sogar denselben) Mausefallen zu landen, weil wir unsicher sind, ob das, was wir wollen auch das ist, was wir brauchen. In der Umsetzung vertrauen FLITTERN nach wie vor auf den Berliner Produzenten FLORIAN NOWAK (ITCHY, The TCHIK, MONTREAL). Wie schon bei „Song über fiktive Personen“ und „Welcome to Hell“ werden die durchdachten Texte in eine pointierte Produktion eingebettet, die sich auf das Wesentliche konzentriert. FLITTERN klingen 2025 bewusst straffer als noch auf dem Debutalbum, was insbesondere die Dynamik zwischen dem punkigen Sound und den poppigen Gesangsmelodien in Szene setzt. Seit ca. anderthalb Jahren wird die Band für Social Media-Content von der Fotografin ROSA PELZER begleitet. Für die beiden Singles „Welcome to Hell“ und „Fehler 3000“ inszeniert sie die Beiden im kaugummifarbenen Ambiente des Supercandy Museums in Köln. Das Cover stammt erneut von BENEDIKT DEMMER von DRUCKWELLE DESIGN, der die neue Klarheit von FLITTERN derzeit in einen ikonischen Stil übersetzt. Für „Fehler 3000“ lässt er FLITTERN mit Mausefallen spielen. FLITTERN sind seit Herbst 2023 das Kölner Duo Sebastian Riddle und Fabian Dellacher, die ihre Punksozialisation mit zeitgenössischem Pop verbinden und so den Soundtrack zu dem Widerspruch liefern, den wir Leben nennen. Irgendwo zwischen „Warte, das kenne ich!“ und „Wow, das ist neu!“ verpacken FLITTERN ihre sowohl unterhaltsamen als auch kritischen Texte in eine erwachsen gewordene Version von Pop-Punk mit positivem Vibe, da sie jetzt, wenn es für den Punk angesichts einer zunehmend dystopischen Welt etwas brenzlig wird, nicht in ihrer Nische verbittern wollen. Das von der Initiative Musik geförderte, von FLORIAN NOWAK produzierte und auf UNTER SCHAFEN RECORDS erschienene, selbstbetitelte Album wurde nicht nur ausnahmslos gut rezensiert (u.A. ein „Album der Woche“ im Visions Magazin), sondern dient auch als Ausgangspunkt für einen Weg, den die Beidennun konsequent weitergehen: War das erste Album konzeptionell noch ein Coming-of-Age, wollen sie uns den Zustand einer Band vermitteln, die sich gefunden hat. In Titeln wie „Song über fiktive Personen“, „Wie Tetris“ oder „Willst du mit mir aussterben gehen?“ trifft ne Menge Distortion auf eine Prise Autotune, was, zugegeben, echt albern klingen könnte, aber hier richtig gut funktioniert. Mit ihren frechen, kleinen Hymnen erhalten sich FLITTERN ganz bewusst die inneren Teenager, ohne zu vergessen, dass es eine Welt da draußen gibt, in der sie ihre Einkommenssteuererklärung fristgerecht einreichen müssen. Und schaffen es ganz nebenbei, dass auch Textzeilen zu Ohrwürmern werden. Im kreativen Schaffensprozess stellen Sebastian und Fabian die Limitiertheit eines Duos kurzerhand auf den Kopf und setzen möglichst viel aufs DIY-Prinzip. So produzieren sie beispielsweise ihre Songs so gut es geht selbst und verpacken ihre Musik lieber in selbstgedrehte Reels statt in aufwendig produzierte Musikvideos. Live hingegen macht es mit einer kompletten Band einfach mehr Spaß–hier holen sich die Zwei Unterstützung von befreundeten Musiker:innen. Sowieso sind Konzerte absolute Highlights im Kalender von FLITTERN. Rockstars müssen und wollen sie zum Glück nicht werden. Und so kann es an solchen Abend ganz um Spielfreude und die Connection gehen – und um die Hoffnung, dass wir alle nicht alleine sind

