MKSM

Ein Mensch, der einen liebt ohne etwas zu erwarten. Jemand, der einen bedingungslos akzeptiert. „Ich frag nicht mehr wann“ erzählt von so einer Person. Eine zerbrechliche Mischung aus Melancholie und Zuversicht, aus Dankbarkeit und Abschiedsschmerz. MKSMs dritter deutschsprachiger Release ist eine Liebeserklärung an seine russische Oma, die für ihn kaum bedeutender sein könnte und die er vielleicht nie mehr wieder sehen wird. Die politische Situation macht es momentan unmöglich. MKSM ist – so wie er ist, so wie er liebt – in Russland nicht mehr willkommen. Als Zehnjähriger wandert er mit seinen Eltern nach Deutschland aus. MKSM wächst in einer Zwischenwelt auf. Heimat ist für ihn ein komplizierter Begriff und seine Oma dabei ein wesentliches Puzzleteil. Ein Teil des Mosaiks Heimat, ein Stück Identität, ein bisschen Halt, eine Erinnerung an seine Wurzeln.
Mit der räumlichen Trennung nach dem Umzug wird seine Beziehung zur russischen Oma umso intensiver, umso bedeutender. Ein letzter Anker, eine Konstante, die dem inneren Chaos Stabilität verleiht – und doch fortan in weiter Ferne ist. Jedes Telefonat mit ihr spendet zwar Kraft, tut aber auch verdammt weh. In den vergangenen Jahren wurde langsam klar: Das nächste Wiedersehen ist ungewiss, vielleicht wird es auch nie mehr dazu kommen. MKSM positioniert sich öffentlich als LGBTIQ+ Aktivist und als Gegner der russischen Anti-Queer-Politik; eine Einreise nach Russland ist momentan undenkbar. Zart und schwebend beginnt der erste Verse, im Zentrum die Stimme. Die Hook öffnet dann fast hymnisch: „Ich glaub noch daran und ich sing deine Lieder“ Der Track mündet mit pulsierenden Drums in ein Gefühlsausbruch, der in zwei russischen Zeilen gipfelt. In „Ich frag nicht mehr wann“ stellt sich MKSM dem Spannungsfeld von innerer Verbundenheit und gleichzeitiger Kritik an seiner russischen Heimat. Das verdeutlichen die russischen Zeilen im Post-Chorus: Sinngemäß „Nimm mich mit“ und „Ich werde dir folgen“. Es ist eine Hommage an Alla Pugacheva, Sängerin dieser Zeilen, die sich mehrfach für LGBTIQ+ und gegen den Krieg ausgesprochen hat. Der Song, aus dem die Zeilen stammen, war der gemeinsame Lieblingssong von MKSM und seiner Oma und der Hit des Jahres – im Jahr von MKSMs Auswanderung. Die beiden Zeilen stehen einerseits für das unverwüstliche Band zwischen zwei Menschen und bebildern gleichzeitig die reale Situation. Das Nebeneinander von Finsternis und Licht, Tragik und Hoffnung – „Ich frag nicht mehr wann“ schafft genau das und hinterlässt doch ein Fragezeichen.

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