MKSM

Was ist Heimat? Eine Adresse? Eine Sprache? Ein Gefühl? Ohnehin schwer zu greifen – noch komplizierter, wenn man taumelnd zwischen zwei Welten aufwächst. Wie die Sonne im Osten auf, im Westen untergeht – so ist MKSM, Spätaussiedler in zweiter Generation, ein Kind des Ostens, das sich plötzlich im Westen zurecht finden musste: Der Sänger wurde in Russland geboren, zog als kleines Kind in die Ukraine und kam als Zehnjähriger mit seinen Eltern nach Deutschland. Der zweite Track seiner ersten deutschsprachigen EP erzählt diese Geschichte: von der Ausreise, von ersten Gehversuchen, dann Ankommen in Deutschland und schließlich Heimat finden im Dazwischen. Sphärisch, fast haltlos schwebt der erste Verse dahin und gibt genau diesem Gefühl der Suche einen Klang. Erst in der Trance- und Techno-beeinflussten Hook setzt ein Bass ein, ein Fundament, rasant, fast atemlos. MKSM hat ein Zuhause gefunden, das Herz aber bleibt rastlos. „Wie die Sonne“ ist nach „Alle sagen lieb dich selbst“ wieder ein radikal ehrlicher Song; eine persönliche Geschichte, die vielen eine Stimme geben soll. Auch das drückt der volle, chorische Refrain aus: MKSM will mit seinem Song nicht nur die eigenen Erlebnisse verarbeiten, sondern auch Sichtbarkeit für andere Spätaussiedler*innen schaffen. Heimat – das ist ein Mosaik aus Erinnerungen, Assoziationen, Musik, aus Träumen und Nostalgie. „Ich dacht, ich sag das nie, doch hier gehör hin. Krieg Platten-Nostalgie – mein Moskau in Berlin“ Vielleicht ist Berlin für den queeren Songwriter genau die richtige Wahl – ein bisschen Moskau, ein bisschen Bundesrepublik und vor allem ganz viel Toleranz und Vielfalt. Denn auch das ist klar: so wie MKSM ist, ist er in Russland nicht mehr erwünscht. „Sprech‘ russisch mit Akzent, der mich so gut verrät Doch egal, mit Mama reicht’s für ein Gespräch“ Diese Zeile verdichtet die Sprachenvielfalt in MKSMs Leben. Er lebt mehrere Jahre in London, singt zuerst auf Englisch, spricht mit seinen Freund*innen und seinem Mann deutsch. Seine Muttersprache im buchstäblichen Sinn aber bleibt die Russische, wenn sie auch etwas eingerostet ist. Zwischen Sprachen, zwischen Welten, zwischen Identitäten – Pulsierend und optimistisch geht MKSM die komplexe Frage nach Heimat an. Wie die Sonne im Osten auf im Westen untergeht, so scheint sie ja letztlich für alle und auf der ganzen Welt.

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