
„In dieser Zeit“ ist kein Liebeslied. Es ist ein Stillhalten in Musikform – ein Song über das Bleiben, wenn alles flüchtig wird, über leere Räume, ungesagte Worte und die stille Revolution, einfach da zu sein. Bernd Korz, dessen Musik stets zwischen Sprachen und Emotionen wandert, veröffentlicht den Track gleichzeitig auf Hochdeutsch und Pfälzisch – weil einige Wahrheiten erst im Dialekt ihre ganze Wucht entfalten. „Kalter Kaffee, leerer Stuhl / Alles wie immer, still und kühl“, singt Korz mit dieser rauen, unverkennbaren Stimme, die zwischen Zärtlichkeit und schonungsloser Ehrlichkeit schwankt. Die Hochdeutsche Version wirkt wie ein lyrisches Geständnis, klar und universell – während die Pfälzische Fassung dem Song eine erdige, fast körperliche Dringlichkeit verleiht. Musikalisch ist „In dieser Zeit“ eine reduzierte, fast meditative Ballade: Sanfte Gitarre, Sanfte Akkorde, Klavier und Korz’ Stimme, die mal flüstert, mal bricht. Der Sound erinnert an die intimen Momente von Philipp Poisel, doch mit der epischen Tiefe eines Rio Reiser – oder, wie Korz sagt: „Ein Lied, das man nicht mitsingt, sondern miterlebt.“ Wie schon in „Masken der Liebe“ zeigt sich hier Korz’ unverwechselbare Kunst: Mehrsprachigkeit nicht als Gimmick, sondern als Kern der Aussage. „Ich schreibe keine Lieder, ich übersetze Gefühle“, sagt er. „Und manche Gefühle brauchen mehr als eine Sprache, um ganz zu werden.“
