Rahel

„miniano“ von RAHEL ist für uns immer noch eines der besten und spannendsten Alben in deutscher Sprache aus dem Jahr 2024. Die Wienerin hatte uns darauf einige wundervolle Kompositionen und Texte geschenkt. Mit der Single „primetime“ erscheint heute ein Song, der auf den ersten Blick unbeschwert und tanzbar klingt und sich beim zweiten Hinhören als präzise Gesellschaftskritik entpuppt. Hinter Wochenendstimmung, Fernsehen und „primetime“ steckt das Bild einer Welt, die nur noch samstags kurz aufatmen darf. Musikalisch setzt RAHEL auf luftige Indie-Gitarren, eine eingängige Bassline und treibende Percussions. Samstagabend, Primetime. Die Woche war lang, aber jetzt endlich können wir ihn sehen, den bürgerlichen Hoffnungsschimmer: das Wochenende. Jetzt heißt es abschalten und tanzen. Bis der Kreislauf montags von vorne beginnt. Doch ist das wirklich alles, was das Leben bereitbehält? Genau diese Frage stellt RAHEL in „primetime“. Erst wirkt sie wie ein leichter, fröhlicher Wochenend-Song. Aber hinter Party, Fernsehen und „primetime“ steckt (subtile) Kritik und das Bild einer Gesellschaft, die nur noch am Wochenende kurz aufatmen darf. Der Fernseher wird zur Ersatzwelt, spendet Aufmerksamkeit, Nähe, Unterhaltung. „Du schaust mich an“ singt Rahel und lässt uns fragen, ob nicht der Fernseher selbst den Menschen ansehen würde und ihm das Gefühl gibt, wahrgenommen zu werden. Musikalisch verpackt RAHEL ihre Gesellschaftskritik in luftige Indie-Gitarrenriffs, eine eingängige Bassline und treibende Percussions. Die scheinbare Leichtigkeit der Musik ist dabei kein Widerspruch, sondern Absicht: Auf den ersten Blick klingt alles nach unbekümmertem Spaß, das eigentliche Statement entfaltet sich erst beim zweiten Hinhören. Die „Primetime“ wird zum kurzen kollektiven Ausbruch aus einer ansonsten isolierten Gesellschaft. Vor dem Fernseher ist niemand allein, so das Versprechen: „Fernsehparty hat uns gesund gemacht“. „primetime“ zeichnet damit das Bild einer typisch postmodernen Gesellschaft: viel Unterhaltung und Reize aber gleichzeitig Vereinzelung und emotionale Leere.

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