
Ein kritischer Blick in den Spiegel, eingerahmt von Seren, Micro-Needling-Rollern, LED-Masken und Versprechen auf ewige Jugend. Ein Termin beim Beauty-Doc ersetzt das Gespräch über Selbstakzeptanz, und irgendwo zwischen Selleriesaft-Detox, Cheat-Days, und mentalem Breakdown bleibt die Frage hängen: Wofür mache ich das hier eigentlich – und warum ist das so scheisse teuer? Mit „Skincare Routine“ sezieren THE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM schonungslos die größte Problemzone unserer Zeit: den Male Gaze und die gnadenlose Industrie dahinter. Der sehr schlagereske Song erzählt vom täglichen Kampf gegen Falten, BMI-Werte und gesellschaftliche Erwartungen – von Botox-Pieksern über Diätwahn bis zur Selbstentfremdung im eigenen Körper. „Ich creme und ich creme und ich creme / nur damit ihr mich liebt“ – diese Zeile bringt auf den Punkt, was viele fühlen, aber selten laut sagen: Der Preis für Begehrbarkeit ist hoch, emotional wie finanziell. Dabei ist die Perspektive keine belehrende von außen. Die Band beschreibt sich selbst als Teil des Systems: Sie benutzen selbst unzählige Produkte, Filter und auch Botox. Sängerin Lulu musste sich aufgrund eines Lipödems operieren lassen – ein schmerzhafter medizinischer Eingriff, verbunden mit der gleichzeitigen Hoffnung, endlich dünn zu sein. Genau diese Ambivalenz zieht sich durch den Song: zwischen Selbstschutz und Selbstoptimierung, zwischen Notwendigkeit und Erwartung. „Skincare Routine“ ist kein Anti-Beauty-Pamphlet, sondern ein ehrlicher Blick in ein Leben, in dem jeder Körper zu jeder Zeit anders bewertet wird. Was heute als Makel gilt, ist morgen Trend – und trotzdem bleibt der Druck konstant. Der fetzige Schlagerbeat kommt von Molch und sollte erst ein Lovesong für Echthaar-Extensions werden. Diese finden sich immerhin im Musikvideo zum Song, gedreht von Arno Geist wieder. Genießt diesen sozialkritischen Popschlager und seid lieb zu eurem Körper. Ihr habt nur den einen!

