
Auf „Klepto“, dem neunten Studioalbum von Muff Potter, bleibt vieles in der Schwebe. Die Songs entscheiden sich nicht sofort, sie kippen, sie öffnen sich. Der Song „Ein starkes Stück“ definiert das Prinzip, indem er in der zweiten Hälfte fast unbemerkt von E-Dur zu E-Moll wechselt, um schließlich in einem wilden Showdown zwischen beiden Tonarten zu oszillieren. Diese Offenheit wird zum programmatischen Kern der neuen Platte: ein Zustand, in dem Dinge gleichzeitig eindeutig und uneindeutig sein dürfen, in dem Haltung und Ambivalenz keine Gegensätze sind. „Klepto“ funktioniert dabei wie eine postmoderne Matroschka. In ihren Schichten finden sich Verweise auf das eigene Werk ebenso wie auf externe Stimmen: von James Baldwin und Joan Didion bis hin zur Dark-Jazz-Formation Bohren & der Club of Gore. Dabei vermeidet die Platte die Falle selbstreferentieller Fußnotenmusik. Die Referenzen sind keine Zitate um ihrer selbst willen, sondern Teil eines lebendigen Systems, das sich fortwährend weiterbewegt. „Klepto“ ist ein Album, das sich der Gegenwart stellt, ohne sich ihr zu unterwerfen. Es spielt mit Formen, Bedeutungen und Erwartungen, ohne sich darin zu verlieren. Es ist ernst und leicht zugleich, zugänglich und vielschichtig, und es findet seine Stärke gerade in den Spannungen, die es nicht auflöst, sondern hörbar macht.
