
„So schnell so laut“ handelt vom rasenden Tempo des Alltags und der Gefahr, dabei genau das zu verpassen, wofür es sich zu leben lohnt. Getragen von einem satten, druckvollen Bandsound und einem markanten Gitarrenpendel erinnert er an frühe „Coldplay“ oder „Wir sind Helden“ Tracks. Der Song ist sicher die poppigste Single des neuen Albums (VÖ 16. Oktober) und mit seiner eingängigen Melodie absolut radiotauglich. Ein kraftvoller, melancholischer Appell innezuhalten und zu genießen. Florian Paul ist für sein neues Album weit gereist. Nach Venedig, Prag, Budapest und im März dann mit seiner „Kapelle der letzten Hoffnung“ weiter bis in die Wüste Kaliforniens. Die Eindrücke all dieser Orte prägten die Entstehung der neuen Songs maßgeblich. Und statt sie dann zuhause am Laptop zu produzieren, haben sie das Album ganz klassisch im Studio eingespielt, um das, was sie auf der Bühne als virtuose Liveband auszeichnet, auch auf der Platte abzubilden. Herausgekommen ist ein moderner, druckvoller Sound mit deutlichen 70s-Einflüssen, der alles andere als retro klingt und sich im Vergleich zu früheren Alben spürbar weiterentwickelt hat: poppiger und weniger chansonhaft, dafür getragen von der Energie und der Dynamik einer gut eingespielten Band. Das ist selten geworden. Inhaltlich geht es vor allem um Veränderung, im Kleinen wie im Großen. Um Ehrgeiz, der einen das eigentliche Leben verpassen lässt, während man merkt, wie die 30er immer schneller an einem vorbeirauschen. Um ein Amerika, das nicht mehr das der eigenen Kindheit ist. Um die Frage, ob man bleiben oder gehen soll, wenn Geborgenheit und Abenteuer gleichzeitig nach einem rufen. Und um die Erkenntnis, dass Veränderung manchmal Angst macht, aber Stillstand keine Lösung ist: „Denn wie es ist, kann es nicht bleiben, doch so wie’s war, wird es ganz sicher nie mehr sein“, heißt es in einem der neuen Lieder. Im Titeltrack wird daraus ein Appell: „Steh auf und schau nie mehr zurück, nach diesem ersten Schritt geh einfach immer weiter.“ Trotz aller Zweifel ist es ein sehr hoffnungsvolles Album geworden. Man spürt: So schwer eine Veränderung auch sein mag – nichts bleibt für immer, auch der größte Kummer geht vorbei. Es ist der Soundtrack zu einem Wendepunkt: zwischen dem Leben, das man sich vorgestellt hat, und dem Leben, das man tatsächlich führen will. Zu einem Moment, an dem man deutlich spürt, wie schnell die Zeit plötzlich vergeht. Die Songs erzählen eindrucksvoll und abwechslungsreich vom Mut, loszulassen und den ersten Schritt zu tun. Musikalisch getragen von einer Band, die genau diesen Aufbruch auch klanglich einlöst. Ein neuer Sound, eine neue Richtung. Kein Zurück eben.
