
Dass ausgerechnet zwei fahnenflüchtige Exil-Berliner zum Phänomen der deutschen Hip-Hop-Landschaft werden, gehört zu jenen schönen Pointen, die sich keine Plattenfirma hätte ausdenken können – wohl auch deshalb sind Lef Dutti und Urkwell seit der Gründung von »dicht & ergreifend« 2014 ohne Major im Rücken geblieben. Ihr Debütalbum »Dampf der Giganten« (2015) stieg völlig unerwartet auf Platz 4 der offiziellen deutschen Hip-Hop-Charts ein, ein Einstand, der mehr über das Gespür der Band für den Nerv ihres Publikums verrät als jede Marketingstrategie. Es folgten »Ghetto mi nix o« (2018, Platz 27 der deutschen Album-Charts) und »Es werde Dicht« (2023, Platz 15 der deutschen Album-Charts), über 100 Millionen Streams sowie ein zehnjähriges Jubiläum, das standesgemäß auf einer Rundbühne mitten in der ausverkauften Olympiahalle München gefeiert wurde. “dicht & ergreifend” ist in dieser Saison so unberechenbar wie Basketballspieler auf Schlittschuhen. Kaum haben “Dutti & Urkwell” zum neuen Album zwei Songs auf Hochdeutsch und zwei auf Mundart veröffentlicht, biegen sie nun in ungewohntes Terrain ab, in dem es ungemütlicher nicht sein kann. Aber bekanntlich macht es ihnen da am meisten Spaß, genau da, wo das Eis immer dünner wird. Dutti rappt auf Englisch und als ob das der Fassbrause noch nicht den Boden ausschlagen würde, rappt Urkwell auf Spanisch. Man gönnt sich ja sonst alles. Wenn man sich mit Sprache auf eine neue Art & Weise auseinandersetzt, dann bitte so, dass die eigene identitäre Signatur als Erstes dran glauben muss. Dass die beiden 2023 den Kulturpreis Bayern dankend ablehnten und das Preisgeld stattdessen einem humanitären Hilfsprojekt zukommen ließen, passt ins Bild einer Band, die sich Anerkennung lieber selbst erspielt als verliehen bekommt. Mit ihrem vierten Studio-Album »Zweiländerdreieck« wagen Dutti & Urkwell nun den nächsten Bruch mit der eigenen Identität: Die Hälfte der Songs erscheint erstmals auf Hochdeutsch – ein echtes Novum ihrer Bandgeschichte.
