van Kraut

Van Kraut ist das Hamburger Duo Christoph Kohlhöfer und Tobias Noormann. Am 26. April veröffentlichen sie ihr neues Album "Zäune aus Gold", den Nachfolger des Debüts "Strahlen" aus dem Jahr 2015. Wunderbar nackig und erdig feiern van Kraut die Reduktion aufs Wesentliche. Fast schon ‚stripped to the bone‘, einem Tiny House gleich. Prägnante Gitarren und ein treibendes Schlagzeug tragen die klar formulierten Botschaften Kohlhöfers. Diese erinnern dabei weniger an die Romantik als vielmehr an die Beklemmung in den kleinen Häuschen. Denn in den neun Songs wird eindringlich und bedrückend ein Elend besungen, das unsere Gesellschaft selbst hervorruft; ein Leiden, das wir hinter „Goldenen Zäunen“ für uns behalten wollen. Die Hamburger distanzieren sich dabei mit kraftvoller und bildreicher Sprache von jenem Selbstmitleid, mit dem einige deutschsprachige Interpreten der letzten Jahre von der Härte der Welt und ihrer eigenen Menschlichkeit salbaderten. Sie suchen keine Schuldigen und bieten keine einfachen Lösungen, überspielen nicht mit einer arty, angsty Attitüde. Stattdessen präsentiert sich "Zäune aus Gold" als kantiges Album, das Kraft und Energie in kleine Songs mit Pop-Appeal packt. van Kraut befinden sich also auch inhaltlich weitab der im Pop oft beschworenen „Community des Glücks“ und der „Liebe“. Der erste Song „Gated Community“ entlarvt dies als Fassade, die verteidigt zu werden verlangt gegen eine Gefahr, die dort nur das Fremde sein kann, denn: „Ich glaub, ich bin das nicht“ („Erwischt“). Doch die Verdrängung ist nicht gelungen. Wenn in „Am Buffet“ gefragt wird: „Wer sind diese Menschen /und warum sind wir mit ihnen hier?“ geht es nicht um das „Wir“ der Guten, denen die Bösen gegenüberstehen. Diese Menschen sprechen ihn in „Der Befehl“ selbstverständlich als einen der ihren an, weil sie es laut „Vertrag“ dürfen. Und wenn sie die Militarisierung der Gesellschaft vorantreiben, die plötzlich keine symbolische mehr ist („Aufgereiht in Blocks“), gibt es nur die Vermutung, es sei auch einmal anders gewesen, so gering ist der Abstand zu ihnen. Am Ende des Albums in „Transitzone“, wenn die Musik dann herrlich ausfranst, wird die Sache, die immer mitschwang und gewollt ungenau rumorte, auf den Punkt gebracht: „Zäune aus Gold und Fressen voller Stolz“. Ein böser Kommentar auf unsere kleine abgesicherte Welt.

 

 

 

 

Links:

 

www.facebook.com/vankraut

www.vankraut.de