Portmonee

Portmonee aus Berlin veröffentlichen heute den letzten Vorabtrack ihres neuen Albums "Gesichter ohne Menschen". Heute geht es weiter mit "Küss Mich": In der Schule riefen alle Kinder „schwul“. Ein lapidar gesagtes, abschätzig gemeintes Vokabular mit deutscher Tradition. Die meisten haben sich dumm angelacht und mitgemacht, denn Kinder sind nicht viel schlauer als ihre Eltern. Wer sich angesprochen fühlte, hielt den Mund und schluckte es runter. "Küss mich" von Portmonee ist keine nostalgische Anekdote aus schlechteren Zeiten, wie man aus einer hermetisch abgeschlossenen urbanen vogue bubble heraus denken könnte, in der Heterosexismus doch gar nicht mehr existiert, oder? Wer die Komfortzone verlässt und die Augen aufmacht, findet ihn überall, wie ein Klischee. Portmonee sind sechs weiße Heten, die die Geschichte eines schwulen Freundes brachial instrumental vertont haben, weil sich bis heute kaum etwas verändert hat, weil die Kinder immer noch nicht schlauer sind als ihre Eltern, weil das BKA in 2020 über 150 Gewalttaten aufgrund geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung zählte. Das klingt nach viel Pathos für eine nicht betroffene Band, aber es ist Unrecht und deshalb erlaubt. Portmonee haben lange überlegt "Küss mich", einen Song, der nicht ihre eigene Geschichte erzählt, zu veröffentlichen und es dann nach Rücksprache mit den eigentlichen Protagonist:innen gewagt. "Küss mich" ist so brutal-lakonisch instrumentalisiert wie sein Inhalt, ein bipolares Duett aus Gewalt und Amour, und am Ende bleibt ein Empowerment. „Ich bin nur eure Angst wie ich zu sein“ mit dieser tausend Jahre alten Formel entlarvt der Protagonist seine Peiniger um sich am Ende von ihnen zur Erheben – Küss mich, Boy.

 

 

 

 

 

 

 

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