Portmonee

Ein paar Risse in den Finger in den Haaren etwas Rauch“ sind die fleischgewordenen Symbolbilder eines zerkratzten Egos. Dieses demolierte Ich kann sich wie im Titelsong „Vielleicht gefall ich dir irgendwann“ bis ins psychopathische übersteigern und dennoch schafft es eine amouröse Anmutung jede Toxizität dieses Ichs zu überstrahlen. Beeindruckend naiv und genügsam ist der romantische Mensch, hier eingefangen in einem stoischen mid-Tempo Beat, angereichert mit von Gitarren vorgetragenen Nadelstichen - eine Killersonate. Es wird nicht gut ausgehen, ein Drama wie ein einem Shakespeare-Meme. Aber es geht vorbei. Und wenn du nicht gestorben bist, nicht an Drogen erstickt oder an Alkohol ersoffen, nimmst du deinen Schmerz und spuckst ihn auf die Leinwand wie Romantiker:innen es eben machen. Die Transformation nach dem Heartbreak artikuliert sich im Verlauf dieser EP in der eruptiven Anatomie ihrer Songs. Schroff und impulsiv wie eine von Jackson Pollock gezeichnete Tonspur. Doch das Eingeständnis folgt am Ende: „Ich habe euch immer gehasst, jetzt bin ich wie ihr“ ist ein Abgesang an unseren uniformen Individualismus. Wir sind eben wie alle anderen auch, Kunstwerke zwar, aber als IKEA-Print. Instrumental übersetzt ergibt sich ein transzendentes Tongefüge, lost im Raum zwischen Selbstbildnis und Realität. Doch wir wären keine Romantiker:innen, wenn wir uns darin nicht wohlfühlen würde. „Die Berliner Band meistert die Gratwanderung zwischen Indie und Mainstream“ kommentiert der Deutschlandfunk. Und es stimmt, Portmonee-Songs könnten versehentlich im Mainstream Radio laufen, weil man ihnen die Verschrobenheit und Widersprüchlichkeit zunächst nicht anmerkt. Doch das ist nur die erste Seite der Menükarte. Auf der Bühne sind Portmonee in Rage, dabei steigern sich ihre Songs zu einem ungeahnten Spektakel verschwenderischer Intensität. Es wird unmodern viel geschwitzt. Manchmal werden Rosen auf die Bühne geworfen. Die Klassenbesten der Indie-Schule The Hunna haben Portmonee wiederholt als Support eingeladen, zuletzt auf ihre gesamte Europa Tour. Auch The Magic Gang, Far Caspian und Hi! Spencer ließen Portmonee ihre Shows eröffnen. Ihr Debütalbum „404“ ist im Juli 2020 erschienen. Aktuell arbeiten Portmonee an ihrem zweiten Studioalbum, für welches die am 27. August erscheinenden EP "Ein paar Risse in den Fingern, in den Haaren etwas Rauch" schon mal den roten Teppich ausrollt.

 

 

 

 

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