Pohlmann

Pohlmann hat ein ernstes, ein sehr persönliches Album gemacht. Eines, auf dem er sich unter anderem mit dem Ende seiner langjährigen Beziehung, mit dem Tod seines Bruders vor vielen Jahren, mit dem Status Quo der Welt auseinandersetzt und sich dabei auf kluge Art und Weise reflektiert. Die Songs sind ein Nachspüren, ein Herausfiltern von Essenzen, Wahrheiten, Meinungen, die Pohlmann etwas bedeuten und die das Gegenteil leerer Worthülsen sind. Hier hat jemand etwas erlebt und erzählt davon. Nimmt seine HörerInnen mit auf eine Reise in seine Vergangenheit, seine Gegenwart und auch ein bisschen in seine Zukunft. Der Pohlmann auf »falschgoldrichtig« ist eine ehrliche Haut. Einer, der nicht um den heißen Brei herumredet und seine Erlebnisse, seine Gedanken, aber vor allem seine Gefühle mit uns teilt. »Ich versuche, meinen Gedanken so lange zu folgen, bis ich ihnen auf den Fersen bin.« Es geht um das Leben. Mit seinen Herausforderungen im Kleinen wie im Großen, mit seinen Traurigkeiten, seinen Abschieden, seinen Neuanfängen, seinen Erlebnissen und seinen zufälligen Begegnungen, die plötzlich und unerwartet ganze Welten und deren Realitäten aufspannen. »und die Wirklichkeit teilt sich zwischen uns auf« eine Zeile aus dem Song »Taxischein«, die im Kontext des Songs genau das Gefühl hinterlässt, das man hat, wenn man nach einem kurzen Gespräch mit einem Fremden auseinandergeht und sich wahrscheinlich nie wieder sieht. Es sind solche Zeilen, die einem nach dem Hören des Albums im Gedächtnis bleiben. Beobachtungen, die etwas auf dem Punkt bringen. Zeilen wie »Vielleicht werden wir uns selbst auch nie gerecht und wir suchen jemand, der uns das verzeiht« aus dem Song »Noch kann ich verstehen« oder der Refrain von »Glashaus«, bei dem einem neben den Worten »Ich sitz in meinem Glashaus auf einem Berg aus Steinen« auch unbedingt die Melodie nicht mehr aus dem Kopf gehen will. »Ein Song ist irgendwie erst fertig, wenn die Zeit ihn zu einem Fremden macht, den ich verstehe.« Pohlmann lässt uns nah an sich ran. Das ist mutig, stark und wertvoll. Denn es birgt die Chance, dass wir in den Songs etwas erspüren, das uns Geborgenheit und Kraft schenkt, das wir uns zu eigen machen können. Klar, ist der Singer/ Songwriter trotz aller Tiefgründigkeit immer noch der Frontmann, der gute Laune verbreitet und den wir nach wie vor auf der Bühne erwarten dürfen - »das Leben macht ja nach wie vor Spaß« - aber er ist eben auch viel mehr als das. Schwächen zeigen, Verletzlichkeiten zulassen, emotionale Erinnerungen teilen - dabei geht es um etwas, und dann kann Musik richtig gut werden. Auf »falschgoldrichtig« kommen zu den schlauen, manchmal auch etwas düsteren Texten noch die stimmungsvollen Instrumentierungen, die optimistischen Melodien, die ausgewogenen Kompositionen hinzu, die einen immer auffangen, einen positiv und hoffnungsvoll stimmen, es einem leicht machen und einen am Ende der Platte glücklich zurücklassen. »Man geht auf die Reise zu seinen Emotionen und Gedanken und erfreut sich an seinen Aussichten.« Pohlmann nimmt uns mit. Er weiß, dass wir Menschen zwar nicht dasselbe Leben leben, aber eben doch ähnliche Erfahrung machen, und das es schön ist, diese zu teilen. Pohlmann hat sich längst davon befreit, jemand sein oder werden zu wollen. Er ist einfach. Und die Demut, der Respekt und die Bescheidenheit seiner Musik gegenüber scheint durch sie hindurch. Pohlmann leitet pure Emotion weiter und freut sich ehrlich darüber, wenn diese Emotion auch anderen etwas bedeuten kann.

 

 

 

 

 


Links:

 

www.ingopohlmann.de

www.facebook.com/IngoPohlmann