Paul Weber

Paul Weber heißt der Künstler, der es schafft, Gitarrenmusik mit inhaltlichem Tiefgang zu verbinden, dabei einen modernen und zeitlosen Sound zu wählen, mit Druck und feiner Intensität, wie man ihn in Deutschland schon lange nicht mehr gehört hat. Am 18.06.2021 erscheint seine EP mit dem Titel „Alles im Arsch“. „Blätter fallen / so wie wir“ – „Auf und Davon“ eröffnet die EP mit Drive und Springsteen-Vibes, ist ein von Sehnsucht getriebener Road-Movie-Song, der raus will vor die Tür. Der das Gegenteil von unserem Leben jetzt gerade wieder greifbar werden lässt und die Realität für drei Minuten vergessen macht. Webers musikalische Anfänge sind ganz klassisch: Eine Schülerband mit ersten, selbstgeschriebenen Texten, damals noch auf Englisch. Nach dem Abitur verstreut sich die Band in alle Himmelsrichtungen, BWL, Jura, Münster, Jena. Weber spielt stattdessen lieber Wohnzimmerkonzerte, lässt sich treiben. Entdeckt irgendwann deutsche Texte für sich. „Das erste Album von Wir sind Helden war ein Erweckungserlebnis für mich“. Mit seiner pointierten, haltungsstarken Art zu texten reiht Weber sich irgendwo zwischen Element of Crime, der höchsten Eisenbahn und Von Wegen Lisbeth ein. Textet zeitlos und meinungsstark. „Es gibt so viele deutsche Worte, da muss man erstmal das richtige finden. Ich suche nach Sätzen und Worten, die nicht schon tausendmal gesagt wurde.“ Es gelingt ihm. Weber zeichnet starke Bilder, zeigt Haltung, ohne sich zum Moralapostel zu versteifen. „Es ist mir wichtig, politisch zu sein – aber das liegt daran, dass ich ein politischer Mensch bin. Ich will keine Protestsongs schreiben, ich beobachte lieber.“ Paul Weber ist in Köln aufgewachsen, nach dem Abitur arbeitete er als Bauzeichner, faszinierte sich für Architektur. Architektur und Musik – es gibt Parallelen: „Man entwirft etwas, schafft einen Raum, in dem Menschen sich zuhause fühlen können, begegnen können. Man erschafft Dinge, die es noch nicht gibt.“ Paul Weber hat sich seinen eigenen Raum geschaffen, textlich, musikalisch und ästhetisch. Für Fotos und Videos verantwortlich zeigen sich zwei alte Schulfreunde, die schon lange mit dabei sind. Köln spielt eine große Rolle für Weber, die Texte der EP entstanden in Ehrenfeld – in den Texten spielt auch mal der FC in der Kneipe, „Alles im Arsch“ beschreibt bröckelnde Träume im Strukturwandelrevier NRW. „Ich habe mich gefragt was ich zum Rechtsruck in Europa sagen soll, wollte mich aber nicht einreihen in die Haltung: Jedes Gespräch ist sofort beendet. Dialog ist wichtig, so schwer es auch fällt.“ „Alles im Arsch“ bringt das auf den Punkt, versetzt sich in andere Perspektiven und versucht zu verstehen, wie aus Hoffnungslosigkeit Hass wird. „Es wurde viel versprochen und es ist wenig geblieben. Enttäuschte Hoffnungen führen zu dunklen Gedanken. Natürlich ist all das kein Grund, rechts zu wählen. Aber man muss Alternativen zeigen, bessere Ideen haben, die Leute zurückholen auf die richtige Seite. Am Ende leben wir in einer Demokratie, und da braucht man Mehrheiten. Wir wollen doch alle nicht in einer gespaltenen Gesellschaft leben.“ „Männer“ wiederum spielt mit Rollenklischees, stellt die Frage was das eigentlich im Jahr 2020 heißt: Ein Mann zu sein? Aus bissiger Ironie entsteht Verbindendes, Reflektiertes. Smarte deutschsprachige Musik muss nicht erkünstelt sein, auch Rollenklischee-Kritik darf Spaß machen und mit dem Auge zwinkern. Zur Architektur kam Paul Weber, weil er durch den theoretischen Teil der Prüfung des Musikstudiums geflogen war. Den praktischen Teil beherrscht er spielend, das kann man hören: Maximal live sollte alles klingen. „Man soll hören, was ist. Keine zusätzlichen Spuren“. Der Berliner Produzent Tim Tautorat ist verantwortlich für den Sound der EP. Es ist ein rougher, energetischer Sound. Perlende Sam-Fender- Gitarren treffen Strokes-Schmutz, Jacob Streit (Gitarre), Nico Atzeni (Drums) und Denis Stadermann (Bass) klingen modern und direkt. „Zugvögel“ ist aus so einer Zeit wie jetzt: Es ist schon wahnsinnig dunkel, man würde gerne mal wieder die Sonne sehen, raus kommen – das Sehnen nach besseren Zeiten. Raus aus der Winter-Depression. Entstanden ist der Song im Cafe van Dyck in Köln-Ehrenfeld. „Ich wusste immer, wann mittags die Sonne in der Straße steht – und hab gemerkt, jetzt werden die Tage wieder länger.“ Weber textet direkt, ehrlich und schafft es, ausgeleierte Deutschpop-Metaphorik zu vermeiden, zeichnet stattdessen mit feinem Strich aus dem Leben gegriffene, authentische Bilder. Im Studio war noch ein bisschen Zeit übrig, „Schließe die Augen“ stand eigentlich gar nicht auf der Liste für die Session. „Die Energie passte, es fühlte sich alles gut an. Dann haben wir einfach den ersten Take genommen.“ Das hört man – und es sagt viel über die Herangehensweise von Paul Weber, über die Möglichkeit, aus dem Moment heraus Räume zum fühlen und denken zu erschaffen und dabei Haltung zu zeigen, ohne ideologisch zu sein. Genau so muss deutsche Gitarrenmusik 2021 klingen.

 

 

 

 

 

 

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