Oehl

Der analoge Synthesizer in den ersten Sekunden klingt wie ein lautes Horn, darunter baut sich ein positiver, treibender und grooviger Protestsong auf, der wachrüttelt und an Genregrößen wie LCD-Soundsystem oder Daft Punk erinnert. Ariel Oehls sanfte Stimme setzt ein und es beginnt eine bildhafte Erzählung mit der Frage: WANN WIRDS WIEDERMAL SO SCHÖN WIE S NIEMALS WAR. In Schönland prangert Oehl den „Mythos der guten alten Zeit“ an und fordert uns dazu auf, die Gemütlichkeit des Privilegs zu verlassen um Teil gesellschaftlicher Veränderung zu werden. An Klimakrise, Sexismus oder Rassismus sind immer die anderen daran Schuld - das denken wir zumindest solange wir in Schönland leben; einem Ort, an dem verdrängt wird anstatt richtig zuzuhören und anzupacken. Aber warum Schönland? Schönland  ist ein Ort der Verdrängung. Schönland ist die „gute alte Zeit“, in der Political Correctness noch keinen Platz hatte. Schönland ist der Ort, an dem der Klimawandel nur eine Verschwörung radikaler Ökos bleibt und Sexismus und Rassismus vernachlässigbare „Probleme der anderen“ sind – natürlich zu verurteilen, aber ja nicht zu reflektieren und schon gar nicht auf sich selbst zu beziehen.  Schönland ist auch ein Synonym für die Bequemlichkeit des Wegschauens, ein Symbol für eine Welt, die noch einfach ist – zumindest für die Personen im Privileg. Dazu gehören natürlich weiße Männer, aber eigentlich auch alle anderen. Wir alle leben nämlich auf die ein oder andere Art alle im System Schönland. Im Song Schönland hingegen geht es die Bewusstwerdung eines weißen Mannes, der erst die Zeichen der Zeit nicht sehen will (»während du schliefst«) und Protestbewegungen als Belästigung unbedeutender Minderheiten abtut (»ganz schön viel Lärm für ein paar Randfiguren«), sich auf die gute alte Zeit beruft (»weißt du eigentlich wie schön es hier einmal war?/weißt du eigentlich waren wir noch nie so traurig«), aber langsam beginnt, aufzuwachen (»eigentlich bin ich mir nichtmal mehr sicher«) um schließlich zu verstehen, dass die „gute alte Zeit“ eine Illusion ist (»wann wirds wiedermal so schön wie es nie war/weißt du eigentlich waren wir schon immer so traurig«), sich entschuldigen möchte und zugibt, bisher zu wenig zugehört zu haben (»es tut mir leid dass ich noch nicht richtig zugehört hab«). Schönland ist dabei ein positiver, treibender & grooviger Protestsong, der an Genregrößen wie LCD Soundsystem oder Daft Punk erinnert.

 

 

 

 

 

 

 

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