Moritz Krämer

Moritz Krämer - Musikalisches Understatement ist nicht mehr in Mode. Popmusik 2021 kommt meist schnell auf den Punkt, ist bis auf die Essenz heruntergekürzt. Zweieinhalb Minuten, 80% Refrain. Moritz Krämers Entwurf von Pop ist ein anderer. Er kann Understatement so gut, dass man sein Understatement nicht mal merkt. So gut, dass man die Tiefe, die Komik und die unterschwellige Brüchigkeit in der Schönheit seiner Songs oft erst später entdeckt. Und da ist man seinem melancholischem Charme, seiner ausschweifenden Musikalität und der Eingängigkeit seiner Lieder bereits verfallen. Wenn man will, kann man also beides: Sich der vordergründigen Schönheit der Musik hingeben oder in die Tiefe gehen und sich Gedanken machen. Nach „Wir können nix dafür“ und seinem Doppelalbum „Ich hab einen Vertrag unterschrieben 1&2“ erscheint nun Krämers drittes Studioalbum „Die traurigen Hummer“. Es erinnert an sein Debüt vor genau zehn Jahren, greift Gedanken von damals auf und spinnt sie weiter. Krämer, dessen Soloauftritte rar sind, weil er mit seinem Bandprojekt Die Höchste Eisenbahn so viel zu tun hatte, scheint mit seinem aktuellen Album ein Kapitel zu schließen. Die Lieder der Platte sollten, so hört man, schon vor zwei Jahren erscheinen. Stattdessen erschien ein vertonter Monolog, in dem sich Krämer in den „klügsten und heitersten Songs, die je über Dienst nach Vorschrift geschrieben wurden“ (Süddeutsche Zeitung) über Verträge Gedanken machte. Auf dem neuen Album finden sich nun all die verspielten Melodien und cleveren Arrangements wieder, wie man sie aus „Wir können nix dafür“ und den ersten beiden Eisenbahn-Alben kennt. Die Texte beschäftigen sich mit Versagensangst („Auffliegen“), Kindern („Finster“), Depression („Schwarzes Licht“), Wut und Gesellschaft („Nackt und einsam“) und Krämers Lieblingsthema Stadtflucht („Jetzt“). Lieder, die man immer und immer wieder hören möchte, um jedes Mal etwas Neues darin zu entdecken. Mal erinnert die Platte an Talking Heads („Austauschbar“), mal an den L.A.-Slacker-Sound von Mac DeMarco, mal an den reduzierten Folk von Aldous Harding. Erneut hat Krämer selbst produziert und mit seiner Band – Hanno Stick (Schlagzeug), Alex Binder (Bass) und Andi Fins (Tasten) – einen abgehangenen Vibe geschaffen. Dazu gesellen sich die leiernde Synthis, Klarinetten (Wencke Wollny) und Geigen (Liv Solveig) und ein Duett mit Larissa Pesch Und der heisere Krämer, der dazwischen singt, wie nur er es kann und in der Schönheit seiner Sprachspiele einfach niemals prätentiös klingt. „Die traurigen Hummer" ist ein wahrhaft großes Album von „einem der besten deutschen Singer/Songwriter" (Musikexpress). „Beweisen“ heißt die erste Auskopplung daraus: „‘Keiner muss irgendwas‘ ist Utopie, ob aus Trotz oder aus Hoffnung, wenn alle daran glauben, ist es kurz wahr. Dann muss keine einen besonders guten Pitch schreiben, damit er gelesen wird und keiner kriegt schlechte Laune, wenn dieses Lied in keiner Playlist landet“, sagt Moritz – aber, aber dagegen hätten wir natürlich auch nichts.

 

 

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