Minck

Am Anfang stand der Wunsch, einfach mal ein waschechtes Folk-Album zu machen. Im Geiste von Leonard Cohen, Elliott Smith oder Aldous Harding, um hier mal Vertreter aus drei Pop-Epochen zu nennen, die für Oliver Minck von besonders großer Bedeutung sind. Aber mit deutschen Texten natürlich, denn wie er selbst findet: „Jetzt nochmal auf Englisch umzuswitchen, würde sich irgendwie komisch anfühlen“. Songs wurden geschrieben, möglichst schlicht, möglichst aufrichtig, mal verschlüsselt, mal ein bisschen direkter – aber immer ohne doppelten Boden. Warm sollte es klingen, romantisch, melancholisch, keineswegs verzweifelt. Natürlich ließ sich der Pop nicht austreiben, zu stark sind die Wurzeln der musikalischen 80er-Jahre-Sozialisation des Sängers und Songwriters, die Liebe zur großen Melodie, zur griffigen Struktur. Aufgenommen wurde im Heimstudio, ein Grundgerüst aus Gesang, Akustikgitarren, Bass und rhythmischen Skizzen, welches weitergereicht wurde an Schlagzeug-Held Claus Schulte – schließlich sollte alles von Hand gespielt sein. Streicher mussten her. Im Internet „entdeckte“ Minck dann die brasilianische Geigerin Betania Hernández, deren erste Arrangements für den Song „Die Nacht“ ihm „Tränen des Glücks in die Augen zauberten“. Aus der zunächst noch anonymen Geschäftsbeziehung wurde eine echte musikalische Partnerschaft, sieben von zehn Songs wurden von Hernández „auf ein völlig neues Level gehoben“. Roland Münchow steuerte bei Lima“ und „Nimm mich mit“ Querflötensätze und bei „Mein Lied“ ein zutiefst anrührendes Saxofon-Arrangement bei, bei letzterem Song griff Pianist Max Freytag zudem schwermütig in die Tasten. Für das Metallica-Cover „Alles was zählt“ stellte sich die Kölner Country-Folk-Sängerin Hanna Fearns als charismatische Duett-Partnerin zur Verfügung, weitere ätherische Background-Gesänge kamen von Zartcore-Aktivistin Luise Weidehaas. Um der Bedroom-Produktion die nötige Grandezza zu verleihen, wurde Langzeit-Kompagnon Boris Rogowski mit dem Mix beauftragt, die abschließende Klangveredelung übernahm Michael Schwabe. Bereits ein knappes Jahr nach dem ersten, unter dem eigenen Nachnamen MINCK veröffentlichten Album EINSAME INSELN erscheint mit SCHÖNE GRÜSSE AN DIE WELT nun also schon der Nachfolger. „Der kreative Prozess hat sich sehr leicht angefühlt“ schwärmt Minck, „und es war toll zu spüren, wie sich alles fügt und – auch durch das Zutun anderer Menschen – in kürzester Zeit zu einer runden Sache wächst.“ Er habe durch das Album ein anderes Verhältnis zum Musikmachen entwickelt, sagt er selbst: „Ich habe dieses Album tatsächlich in allererster Linie für mich selbst gemacht. In der Pandemie kann man als Musiker schonmal existenziell ins Taumeln geraten, da war es sehr hilfreich, ein konkretes Projekt zu verfolgen, bei dem es in allererster Linie um die kreative Freude geht“. Dieses Projekt ist quasi schon vor der Veröffentlichung erfolgreich abgeschlossen und besser geworden, als der Künstler zu hoffen gewagt hatte. Warum er das Album trotzdem herausbringt? Hören Sie selbst!

 

 

 

 

 

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