Marius

Der Plan für 2020 sah für Marius Bornmann anfangs ganz anders aus: Nach einer längeren Pause hatte seine Band HEISSKALT wieder einige Festivaltermine gebucht. Die Fans konnten es kaum erwarten, die Band war heiss. Wir wissen alle, was dann geschah, die Termine mussten abgesagt werden, und Heisskalt beschlossen, das Comeback vorerst abzublasen. Alles wieder auf Eis. "Ich hab an dem Tag, als wir das entschieden haben, definitiv ein paar Tränen vergossen, aber wusste, dass es die richtige Entscheidung war. Und dann hat sich bei mir ein Schalter umgelegt, den ich vorher nie umgelegt bekommen habe", erinnert sich Marius. Am nächsten Tag begibt er sich alleine in den Proberaum und fängt an, eigene Songs zu schreiben. Erst Beats, dann Melodien, dann Texte. Auf Deutsch. Es entstehen 30 Skizzen, die meisten davon wandern wieder in den Mülleimer - "Aber das, was übrigblieb, das fand ich gut." Zusammen mit ÄH, DINGS (u.a. Maeckes, Future Franz) produziert er genau diese Songs aus. Unter dem simplen Namen MARIUS veröffentlicht er nun einige davon - Wetten, sie klingen anders als es irgendjemand erwartet hätte? Warum das so ist, kann Marius ziemlich gut erklären: "10 Jahre mit Heisskalt zu spielen war eine der tollsten Sachen überhaupt. Wir haben jedes Jahr zig Konzerte gespielt, durften auf den größten Festivals des Landes gastieren und haben Dinge erlebt, die ich kaum so schnell verarbeitet bekommen habe. Dafür bin ich dankbar und denke immer froh dran zurück. Jahrelang habe ich aber auch nichts anderes gemacht und war auch nichts anderes als der Schlagzeuger von Heisskalt. Ich habe keine anderen Jobs gehabt, mein Freundeskreis bestand aus der Band und der Crew und es gab auch keine anderen Themen mehr. Ist etwas gut gelaufen, war das Leben gut. Ist etwas schiefgelaufen, war das Leben doof. Ich habe mich da lange reinfallen lassen, aber irgendwann gemerkt, dass ich gar nicht mehr wusste, wer ich selbst war. Mich gab’s nur im Kollektiv. Auf der Straße wurde ich öfter begrüßt mit „Hi, und wo sind die anderen?“ - Die Band war immer Identität und Sicherheitsnetz. Bis sie auf einmal weg war. Wer war ich denn jetzt? Das letzte Jahr war auch eine große Suche danach. Und ich war froh, dass ich es schnell geschafft habe, mich endlich allein musikalisch auszutoben. Ohne Grenzen, ohne Erwartungshaltungen. Vielleicht ist das ein Grund, weshalb meine Solo-Sachen musikalisch in das komplette Gegenteil von Heisskalt umgeschlagen sind. Nach vielen Jahren schwarzweiß, traurig und schwer wollte ich bunt, locker und aus dem Bauch heraus." Die Songs sind Popmusik, leichtfüßig, rhythmusfokussiert, gut gelaunt. Für Heisskalt-Fans wird das ein (Kultur)schock. Aber davor hat MARIUS keine Angst: "Natürlich sind die Erwartungshaltungen trotzdem nicht auf einmal weg. Das habe ich bei (fast) jeder Person gemerkt, die vorab schon mal reinhören durfte. Das Feedback, dass ich am öftesten gehört habe war 'krass, singst DU da?'. Eine Zeit lang ist mir das auf die Nerven gegangen. Bis ich verstanden habe, dass das wohl einfach unerwartet ist, von einem Typen, der bisher immer nur Schlagzeug bei Heisskalt gespielt hat." Die erste Single, die MARIUS veröffentlicht, heißt "30 Tage auf Tour" und erzählt von den Erinnerungen der Jahre, in der Rasthöfe, Sprinter und Backstageräume das Zuhause von Marius und seinen Freunden waren. Jeden Anspruch auf Privatsphäre und Gemütlichkeit gibt man bei Tourstart ab - Es geht durch Clubs mit schlechtem Internet, schlechtem Essen, schlechter Hygiene, aber irgendwie liebt man es trotzdem, wenn man mittendrin ist. MARIUS macht irgendwie einen Lovesong daraus - Über das Vermissen der Daheimgebliebenen, aber auch das Touren an sich. Das Video zum Song visualisiert das Gefühl nachvollziehbar: "Im Video haben wir versucht den Touralltags-Stress-Trott darzustellen, wie ich ihn oft mit Heisskalt erlebt habe. Ich werde von den Leuten um mich rum von Station zu Station getrieben, obwohl ich eigentlich die ganze Zeit doch eigentlich nur Musik machen will. Es versteht sich von selbst, dass auf Tour zu sein, gleichzeitig auch wunderschön ist. Aber der schönste Teil bleibt hier leider aus - dank Corona ist die Halle leer."

 

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