Marie Bothmer

Aus einer Vollnarkose aufzuwachen, wie fühlt sich das eigentlich an? Laut Tagesspiegel in etwa so: „Jeder fünfte Patient ist nach einer Operation verwirrt und verstört. Manche halluzinieren, andere sind apathisch.“ Insofern geht es Marie Bothmer den Umständen entsprechend durchaus okay, als sie aus ihrer Vollnarkose aufwacht. Was daran liegen könnte, dass in ihren Fall nur ein Teil des Körpers aus der Betäubung erwacht: ihr Herz. Nach „Kater“ im Herbst legt die Sängerin mit „Vollnarkose“ den nächsten Track ihres kommenden Albums vor und taucht erneut tief in ihre Gefühlswelt ein. „Ich werd langsam wach / Es tut wieder weh / Denn der Rausch lässt nach“ – „Vollnarkose“ handelt von dem Versuch, sein Herz zu betäuben, damit die Schmerzen nachlassen. Doch auch die stärkste Betäubung wirkt nicht ewig, und das Aufwachen danach ist umso härter. „Das hier ist ein Alptraum, bitte weck mich auf“, wünscht sich Marie. Immerhin: das eigene Befinden passt zum Wetter draußen. „Pfützen voller Regen / laufe durch, will mein Spiegelbild zertreten / Denn ich will, denn ich will's nicht mehr sehen“, berichtet sie von Momenten, in denen man sich fühlt, als würde man auf Stacheldraht balancieren – „komm nur weiter, wenn ich Schmerz ignorier‘“. Und so läuft Marie Bothmer weiter allein im Morgengrauen durch die Stadt, unter den Sohlen das Herbstlaub, in ihrer Brust das schmerzende Herz, in den Ohren die Klänge dieses Songs, der dem herbstlichen Nasskalt kaminfeuerwarme Klangflächen und pochende Bässe entgegensetzt, durchzuckt von gelegentlichen Blitzen und plätscherndem Regen. Marie Bothmer kommentiert: „Wenn das Herz schmerzt, möchte man das nur ungern direkt in gesundem Maße verarbeiten. Mein Go-to-Mechanismus ist leider sich zu betäuben, Gefühle unterdrücken und schauen, dass sie nie hochkommen. Das Herz also am besten voll narkotisieren. Aber irgendwann lässt der Rausch ja auch wieder nach, dann tut es wieder weh. Darum geht‘s in etwa für mich in ‚Vollnarkose‘. Als ich den Song geschrieben habe (mit Wanja Bierbaum/Hardy X) ging es meinem Herz in Liebesdingen aber eigentlich ganz gut, es war eher schwer, weil ich mit meiner mentalen Gesundheit gestruggled habe. Ein Song, der lyrisch diesmal finde ich etwas offener gehalten ist und mehr einen Berlin Mood im Herbst einfangen soll, als nur Liebeskummer zu beschreiben.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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