Kettcar

Nur 17 Monate nach ihrem letzten Album "Ich vs. Wir" legen Kettcar heute mit der EP "Der süße Duft der Widersprüchlichkeit (Wir vs. Ich)" nach und untermauern damit ihren Status als eine der wichtigsten deutschen Gitarrenbands. Die EP beinhaltet insgesamt fünf neue Stücke, die alle erst nach der Veröffentlichung des aktuellen Albums "Ich vs. Wir" entstanden. In ihren Texten schauen Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff aus verschiedensten Perspektiven auf unsere Gesellschaft und kommen zur definitiven Erkenntnis: Das Private ist auch immer politisch. Heute erscheint die EP auch physisch als limitierte 10" EP auf farbigem Vinyl und wegen hoher Nachfrage auch auf CD. Zudem veröffentlicht die Band heute ein neues Video vom Produzent der EP Philipp Schwär und Kim Frank zu "Weit draußen", dessen Bilder nicht vom Text ablenken sollen, sondern einem die Möglichkeit geben die herzzerreißende Geschichte des Songs bewusst zu verfolgen. - Mit ihrem aktuellen Album "Ich vs. Wir" veröffentlichten Kettcar Ende 2017 ein Album, das gleichzeitig Bestandsaufnahme und Vision war, das unseren Umgang mit dem Begriff "Gesellschaft" verhandelte. Nun schiebt die Band fünf neue Songs nach - keine Überbleibsel aus den früheren Aufnahmen, keine Resteverwertung - sondern fünf Stücke, die als Komplentärwerk zu "Ich vs. Wir" funktionieren, das Album ergänzen und neue Blickwinkel und Bedeutungsebenen eröffnen. In der Single "Palo Alto", die Kettcar heute als ersten Vorboten daraus veröffentlichen, treffen unterschiedliche Verlierer der Digitalisierung aufeinander. Der Kulturjournalist, der Plattenladenbesitzer, die Pornodarstellerin, der Bankangestellte - nur vier Beispiele für die Unter-die-Räder-Gekommenen. Zusammen mit dem Erzähler fragen sie sich: nach Palo Alto, dem Mekka der IT-Industrie, fahren und den ganzen Laden in die Luft jagen, oder mit der Fehlersuche doch bei sich selbst beginnen? Der süße Duft der Widersprüchlichkeit (Wir vs. Ich)" enthält neben "Palo Alto" vier weitere Songs: auf "Scheine in den Graben" erhält die Band gesangliche Unterstützung von Schorsch Kamerum, David Frings von FJØRT und Adam Angst sowie im letzten Refrain von Jen Bender (Großstadtgeflüster), Bela B, Jörkk Mechenbier (Love A), Sookee, Felix Brummer (Kraftklub), Marie Curry (Neonschwarz), Gisbert zu Knyphausen und Safi. "Notiz an mich selbst" ist klassisch Kettcar, ein Essay über Kunst, Moral und Ideale. "Natürlich für alle" zeigt Kettcar ungewohnt Synth-orientiert, während der Text beleuchtet ob sowas wie "kritischer Konsum" überhaupt möglich ist. "Weit draußen" erzählt die unglaublich berührende Geschichte einer Mutter, die mit ihrem behinderten Sohn weit, weit weg zieht um den ständigen Mitleidsbekundungen zu entfliehen. "'Scheine in den Graben' verhandelt das Thema Menschlichkeit und humanitäre Hilfe mit Blick auf Charity-Events und das illustre Personal, das sich dort tummelt: Reich an Aktien, reich an Barmherzigkeit. „Tue Gutes und rede darüber“ ist in diesem Zusammenhang ein gern benutzter Slogan - der von Kettcar natürlich hinterfragt wird. Darf man sich gut und erhaben fühlen und sich selbst dafür feiern, dass man Wohltaten vollbringt? Und was ist davon zu halten, wenn das Ganze zu einem neokapitalistischen Nullsummenspiel verkommt, bei dem die Perlenohrring-Lady aus Blankenese mit großer Geste die Not zu lindern versucht, die ihr Mann mit seinem globalen Finanzdienstleistungsunternehmen mitverursacht hat? Moderner Ablasshandel, anyone? Wobei natürlich die Frage bleibt, ob es die Menschen im Norden Ruandas wirklich kümmert, ob das Geld für ihren neuen Brunnen von Ute Ohoven besorgt wurde oder von einer Menge anonymer Spender ohne Kamerabegleitung. Da ist er wieder, dieser süße Duft, dem Kettcar in diesem Song nicht alleine nachspüren, sondern mit Verstärkung. Im Hintergrund schreit David von Fjort, die dritte Strophe singt Schorsch Kamerun, und am Ende geben sich beim Refrain Jen von Großstadtgeflüster, Jörkk von Love A, Sookee, Bela B, Felix von Kraftklub, Neonschwarz, Gisbert zu Knyphausen und Safi die Zeilen in die Hand.Eine Runde, die unterschiedlicher kaum sein könnte und die genau deshalb hier versammelt wurde: Rockstars, die Rock am Ring headlinen, genauso wie Insidertipps, deren beliebtester Song auf Spotify keine 10.000 mal gehört wurde. Melancholische Singer/Songwriter genauso wie postmoderne Hardcore-Visionäre. Groove und Rock. Major und DIY. Hip Hop und Punk. Theaterbühne und Jugendzentrum. Der gemeinsame Nenner all dieser Künstlerinnen und Künstler ist die Position zum System und seinen Auswüchsen: Für die Schwachen, gegen die Ungerechtigkeiten, und sich bitte auch mal selbst hinterfragen. Musikalisch und inhaltlich mag zwischen diesen Gästen die eine oder andere Welt liegen, am Ende kommen aber doch alle aus einer Irgendwie-links-Position, die mehr vereint als trennt. Zumindest wenn Kettcar anrufen. Denn tatsächlich kann man sich keine andere deutsche Band vorstellen, die es schafft, einen Song mit einem solch breiten Spektrum an künstlerischen Positionen zu veröffentlichen, bei dem am Ende aber dennoch alle an einem Strang ziehen."

 

 

 

 

Links:

 

www.facebook.com/kettcar

www.kettcar.net