Judith Holofernes

Analogpunk, Analogpunk
kein Icon feixt breiter
kein Emoji so heiter
Analogpunk, Analogpunk
kein Passwort, kein Code
du bringst mich um
den Sleepmode

"Punk zu sein, das muss in einer vollständig überwachten Zukunft doch eigentlich bedeuten, dass man völlig vom Netz geht, komplett vom Radar verschwindet. Oder man muss eben Hacker werden und das System richtig reiten.“ Dieser Gedanke war war der Ursprungsfunke für Judith Holofernes´ hinreißend coolen Song „Analogpunk.“ Musikalisch bewegt sich das euphorisch-lässige Stück zwischen der Rotzigkeit von 90er Jahre Indierock und, man höre und staune, beinahe so etwas wie Hiphop -Swagger. Durchsetzt wird die Mixtur vom charmanten Gefiepse früher Computerspiele – eine Idee, die auch im (von Retro -Gaming inspirierten) Musikvideo grandiose Entsprechung findet. Die Idee verselbstständigte sich schnell und mündete in einer jener versponnenen (und oft sehr lustigen) Liebesgeschichten, für die Holofernes seit „Aurélie,“ „Denkmal" oder „nur ein Wort“ so innig geliebt wird. Dieses Mal ist es die verhinderte Liebe zwischen einem "digitalen Hippie" (Holofernes) und eben jenem, sehnsüchtig besungenen analogen Totalverweigerer. Und der ist für Judiths Flirtversuche im engeren Sinne nicht erreichbar:
Du guckst nicht auf dein Telefon
Schießt Erbsen auf meine Drohnen
Das Netz weiß nicht wo du wohnst –
wo wohnst du? Los sag schon

Die Künstlerin, die im Netz überaus kreativ unterwegs ist, sagt, sie selbst trage Anteile beider Protagonisten in sich. Einerseits ist sie dafür bekannt, auf Facebook ausgiebig Fanfragen zu beantworten und ihre Twitterfollower einzeln mit digitalem Handschlag zu begrüßen. Andererseits ist sie inbrünstige Verfechterin des (O -Ton) "Nichtstuns als Extremsport.“ Dazu sagt sie: „Ich liebe das Internet! Für mich ist das eine wunderbare Gelegenheit, direkt mit meinen Leuten zu kommunizieren, ohne auf andere, verklebte, enge Kanäle angewiesen zu sein. Auf der anderen Seite bin ich im Grunde meines Herzens eine stoffelige Einsiedlerin und fantasiere vom vollständigen digitalen Ausstieg. Ich meine: meine liebsten Hobbies sind still im Wald sitzen und stundenlang in die Gegend gucken. Wenn ich jetzt noch Jagen lerne, dann seht ihr mich nie wieder!"
Zusammenarbeit mit Maeckes: Analogpunk 2.0
„Schon als Teitur und ich den Song geschrieben haben, dachten wir uns: "und hier müsste jetzt ein Rapper kommen! Aber natürlich ein schlauer, lustiger, einer von denen, auf die wir so viele Jahre gewartet haben!“  Maeckes also, natürlich. Der Feingeist von den Orsons, der mit den nachdenklichen, frei spielenden, schlauen Raps und den großen Gedankenbögen – der als Solokünstler seine Fans nicht zuletzt mit komplett analogen Gitarrenkonzerten entzückt. Zur Zeit der Albumaufnahmen war Holofernes zu schüchtern, zögerte zu lange, ihren ganz frisch befreundeten Kumpel Maeckes zu fragen. Statt dessen bekam der Originalsong für´s Album ein wunderschönes Binärcode -Solo, an dessen Entschlüsselung seither die Nerdherzen reihenweise zerbrechen. Trotzdem freute sich Judith sehr, zur Veröffentlichung der Single noch mal einen Vorwand zu haben, die ursprüngliche Idee mit dem „feinen Rapper“ umzusetzen. Und natürlich ist Maeckes in seiner unaufgeregten Lässigkeit genau der Mann für den Job, auch wenn er sagt, er sei: „kaum mehr Analogpunk/ seitdem Marty Mc Fly/ auf sein Hoverboard sprang“ Aber immerhin schaut er seine „Gegenüber noch bei Unterhaltungen an/ gehört ja auch nicht mehr zum Standardprogramm." Die schwingenden 70er Jahre - Klavierballaden von Carole King und James Taylor - und sogar dem frühen Elton John - standen Pate für Judith Holofernes´ bittersüße neue Single „Sara, sag was“: eine dem Untergang geweihte Liebesgeschichte zwischen Autobahn, Hotel und Vororthölle. Der Protagonist, immer unterwegs, hängt verzweifelt am Telefon und versucht, seine zu Tode gelangweilte Sara zum Bleiben zu bewegen: „Wenn du willst, nehm' ich mir einen Mietwagen und mit ein bisschen Glück bin ich schon abends zuhause." Sara aber sitzt „zwischen Wildschweinen und Zahnarztfrauen“ schon längst auf gepackten Koffern. Judith Holofernes schrieb „Sara, sag was“ – wie auch viele Songs auf ihrem Album „Ich bin das Chaos“ – gemeinsam mit dem färöischen Songwriter Teitur.

 

 

 

 

Links:

 

www.facebook.com/judithholofernes

www.judith-holofernes.de