Herr Rauch

Die ersten, sagen wir mal, musikalischen Pichelversuche, unternehmen Herr Rauch auf einer kleinen offenen Bühne im mittelfränkischen Weißenburg – und es ist furchtbar. Im späteren Verlauf des Abends wird gemeinsam das Geschehen mit zittrigen Beinen am Tresen aktiv in Vergessenheit gebracht. Danach fließt – um im Bild zu bleiben – erstmal viel Bier durch Köpfe und Ausguss. Doch dann kommt sie, die „Revolution am Tresen“ – in Form eines Langspielers. Diesen kommentiert die Kulturzeitschrift Carpe Diem mit „kantig, kratzig, leicht besoffen“ und attestiert der Band einen gewissen Kneipencharme. Es folgt die Verlagerung des Lebensmittelpunktes nach München und eine Neuformation der Kneipenmusiker, die mittlerweile auch abseits des Wirtshauses Arbeit als Musiker gefunden haben. Ähnlich wie bei den Bremer Stadtmusikanten kommt die volle Besetzung nicht auf einen Schlag. Plopppoet Stefan Rauch macht mit Gesang und Gitarre den Anfang. Es gesellt sich Tresentrommler Moritz Moroff am Schlagzeug dazu. Kaschemmenklampfer Simon Reitschuster und Viersaitenvagabund Tibor Lampe sind mit ihren Gitarren ebenfalls am Start. Und als Mundstückmelancholiker komplettiert Matthias Stadter an der Trompete den Schanktisch-Fünfer. Im Fortgang zeigt sich, dass Herr Rauch es schaffen, gelegentlich sich vom Tresen zu entfernen – um bspw. den nächsten Tonträger „Sportlehrer aus Leidenschaft“ einzuspielen. Aber am wohlsten fühlen sie sich doch in ihrem angestammten Habitat: der Kneipe! Und arbeiten daran, mit mitreißenden Rhythmen und tiefsinnigen Texten die Gäste auf verschiedenen Ebenen zu berühren. Sodass in einem gewissen Sinne Zeit und Raum sich auflösen, die eigenen kleinen und großen Sorgen und Nöte in Vergessenheit geraten – und nur der gemeinsame schöne Moment zählt. Der Song „Kaffee Schwarz“ der Münchner Kneipenmusiker „Herr Rauch“ wurde an einem Montag geschrieben. Zwar wird es textlich nicht weiter erwähnt, ist aber dennoch für die Grundstimmung prägend. Also alle zusammen einmal die innere Uhr auf Montag sieben Uhr stellen und dem Weltschmerz „Hallo!" sagen. Würde man den Song beim beiläufigen Hören als traurig bezeichnen? Eher nicht. Wie bei vielen Liedern von Herr Rauch bekommt die textliche Melancholie durch eine Prise Humor ihren eigenen Charme und Würze. Das Stück, zu dem es auch ein minimalistisches One-Shot-Video gibt, ist die Singleauskopplung der EP „Sportlehrer aus Leidenschaft“ des Münchner Fünfers.

 

 

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