Fräulein Frey


Die Hamburger Singer-Songwriterin Fräulein Frey veröffentlicht mit dem Lied „Apfelbaumgarten“ einen klassischen Akustik-Popsong, den sie erstmals zusammen mit ihrem Bruder produziert hat. Eine gute Kombination, geht es im Text doch um einen Ort an der mecklenburgischen Ostseeküste, den beide sehr gut kennen: den Garten ihres Elternhauses.  Jeden Tag ein Konzert. 50 Tage am Stück. Mit unglaublicher Ausdauer und viel Leidenschaft hat die Hamburger Singer-Songwriterin Fräulein Frey in der Corona-Zeit gezeigt, was Musik alles sein kann: Trost, Halt, Hoffnung, eine Erinnerung, ein kurzes tiefes Glück, ein Anlass zum Gespräch. Immer um Viertel vor acht abends sang die Musikerin auf ihrem Balkon im Stadtteil Hamm-Nord einen ihrer poetischen wie hintersinnigen Popsongs zur Gitarre. Was aus dem Bauch heraus entstand, entwickelte sich bald zum lieb gewonnenen Ritual in der Nachbarschaft sowie in den sozialen Medien (#viertelvorachtaufbalkonien). Eine kleine Aktion mit großer Strahlkraft. Denn Fräulein Freys Balkonkonzerte machen überdeutlich, wie sehr uns der Ausnahmezustand auf wesentliche Fragen zurückwirft: Was bedeutet Zuhause? Wo fühlen wir uns sicher? Was wissen wir erst zu schätzen, wenn wir es vermissen? Diesen Themen spürt Fräulein Frey auch in ihrer neuen Single „Apfelbaumgarten‟ nach. Ein Gitarrenpopsong, der uns fein öffnet für Vergangenes und Vertrautes. Und Fräulein Freys starke zarte Stimme führt uns mit Leichtigkeit hinein in diese fast vergessene Welt. Wie ein verblichenes Foto, das seine Farben wiedergewinnt. „Apfelbaumgarten‟ entstand vor der Pandemie. Und doch lässt sich das Lied als emotionaler Kommentar zur Krise lesen: Wir brechen auf ins Ungewisse und erkennen erst aus der Distanz, was wirklich wichtig ist. Musik zum Beispiel. Live, mit jeder Faser zum Klingen gebracht. „Am 20. März, als die Kultur gerade in den Lockdown geschickt worden war, saß ich mit all meiner Unsicherheit zuhause auf dem Sofa und habe mir selbst Mut zugespielt‟, erzählt Fräulein Frey. „Da kam mir die Idee, dass meine Musik ja auch anderen helfen könnte.‟ Spontan trat sie auf den Balkon und musizierte in die Dunkelheit hinein. Einen passenden Song hatte sie ebenfalls: „Hallo Leben‟, zu finden auf ihrem gleichnamigen Debütalbum aus dem Jahr 2017. Als tatsächlich Applaus zurückkam, rief sie beherzt: „Morgen wieder, gleiche Zeit!‟ Mit dem anbrechenden Sommer wurde Fräulein Frey bei ihren Balkonauftritten immer sichtbarerer. Eine Reise ins Licht. „Die Menschen in den Fenstern und auf der Straße haben aufmerksam zugehört und sich mit Briefen, Wein, Schokolade und auch Geld bei mir bedankt. Vor allem aber fingen sie an, sich zuzuwinken und miteinander zu reden.‟ Mittlerweile nutzt eine Ethnologiestudentin Fräulein Freys Corona-Konzerte für eine Forschungsarbeit zu „Rituale in Krisenzeiten‟. Und auch persönlich profitierte die Popkünstlerin von ihrem Engagement: „Ich habe gelernt, mich so zu zeigen, wie ich bin.‟ Mal in Wohnungsklamotten, mal schicker. Mal optimistisch, mal nachdenklich. Mal sehnsüchtig, mal norddeutsch rau. Aber immer wahrhaftig und mit sehr viel Seele. Freye hanseatische Popkultur eben. Ihre täglichen Auftritte haben Fräulein Frey bestärkt, noch mehr hinauszugehen mit ihren Liedern. „Anfang 2019 war ich an einem Punkt, wo mich mein ganzes Bandprojekt ziemlich aufgerieben hatte.‟ Sie brauchte eine Pause, frischen Wind, und begann irgendwann aus Spaß, mit ihrem 13 Jahre jüngeren Bruder Henning Böhnke Musik zu machen. Zwei Stimmen, zwei Gitarren – reduziert und gut. Die kreative Energie kehrte zurück: „Mit Henning zu spielen, fühlt sich an wie Nachhausekommen‟. „Apfelbaumgarten‟ ist Zeugnis dieser geschwisterlichen Verbindung und zugleich Vorbote auf ein Album, das 2021/2022 erscheinen soll. Die Nummer entstand idyllisch im Grünen hinter ihrem Elternhaus an der mecklenburgischen Ostseeküste. „Ich wollte ein Lied schreiben über das Dorf, aus dem wir weggezogen sind. Darüber, dass wir fortgehen müssen, um zum Ursprünglichen zurückzufinden.‟ Der Apfelbaumgarten wurde in der Corona-Zeit zum Sinnbild: „Er hat auf uns gewartet. Dort jetzt wieder mit der Familie zusammenzukommen, weiß ich mehr zu schätzen denn je‟, sagt Fräulein Frey. Und auch ihr urbanes Zuhause ist dank der Balkonkonzerte ein anderes. „Ich habe eine neue Beziehung entwickelt zu meinem Viertel, meiner Stadt – und zu mir selbst.‟

 

Links:

 

www.fräulein-frey.de

www.facebook.com/FraeuleinFrey