Fettes Brot

Wenn eines fernen Tages bei Grabungen im größten Baumschulgebiet Europas eine rostige goldene Schallplatte ausgebuddelt wird, stammt die womöglich aus einer elterlichen Glasvitrine der drei Flitzpiepen von Gruppe Fettes Brot. Als gesichtsbekannte Kinder der nord-westlichen Hamburger Suburbs nahmen die drei Mikrophon-Jongleure ihre fixen Erfolge seit dem hinteren Ende des 20. Jahrhunderts mit demselben Zwiespalt aus Scham und Erregung hin, der schon ihre disparaten Vorgänger ausgezeichnet hatte: Gleichermaßen mit Rap (De La Soul, Run DMC) und Punk (die Ärzte, Rio Reiser) gewässert, wuchsen ihre Bäumchen manchmal so hoch in das Land der MTViva-Riesen, dass ihnen nur noch schwindelig wurde beim Runtergucken auf die heile kleine Vorstadtwelt, wo tief im Underground ihre Wurzeln steckten. Hinter ihrem Rücken bewunderte die Competition schon früh ihr Talent, umwerfende Rap-Dramoletten wie "Jein" zu droppen, um sie sogleich bitter für ihren Un-Ernst beim Einhalten der "reinen Hip Hop-Lehre" kleinzuquatschen. Elegant im Zick-Zack unter dem Radar dieser prüden Gralshüter fliegend, hielten sich unsere drei Helden stets an die oberste Direktive von Soul-Rebel Swamp Dogg: "I'm not selling out, I'm selling in!". Als Reaktion auf die sauertöpfigsten Anfeindungen gelangen ihnen dann mit Protestsongs wie "Schwule Mädchen" oder Battle Raps wie "Da Draussen" gleich noch grössere Würfe. Auf einen funky shaker wie "eManuela" folgte direkt eine ethisch-moralische Selbstkasteiung wie "An Tagen wie diesen", worauf sie einen tödlichen Bouncer über die wachsende eigene Impotenz im Auge unserer hypersexualisierten Konsumhölle folgen liessen: "Bettina, zieh dir bitte etwas an". Mit wilden Trojanischen Pferden in die Top 3 galoppieren, wer konnte das sonst schon? Fast 30 Jahre dauert nun ihre Hitstory, die Ende 2023 einen konsequenten Abschluss findet. Fettes Brot is history. Hier sind die wichtigsten Artefakte aus ihrer Epoche. Zum ersten Mal auf einem Greatest Hits-Album vereint.

 

 

 

 

 

 

 

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