FASO

„Die echte Liebe habe ich noch nicht empfunden!“ Faso in Worte zu fassen, ist eine Raketenwissenschaft. Es gibt sie schlichtweg nicht – diese Schublade, in die er passen könnte. Warum auch? Das Leben ist viel zu bunt, aufregend und voller Möglichkeiten, um sich festzulegen und damit letztlich selbst zu limitieren. Warum nicht auskosten, was es einem zu bieten hat – in all seinen Farben und Formen. Um sich ein Bild von Faso machen zu können, lauscht man am besten dem, was er zu sagen oder besser zu singen hat. Aufmerksam und mit offenem Herzen. Das dürfte nicht besonders schwerfallen, denn Fasos Stimme ist außergewöhnlich – wie Faso selbst. Leidenschaftlich, warm, weich, aber bestimmt und gleichzeitig so voller Gefühl – mit einem Wort: faszinierend. Hat man einmal damit angefangen, will man nicht mehr aufhören. Er singt von dem, was ihn bewegt und berührt – der unbändigen Sehnsucht nach Freiheit, Toleranz und Selbstverständnis: „Akzeptanz ist nur der kleine Bruder von Ausgrenzung. Was ich will, ist Selbstverständlichkeit. Es sollte gar keine Frage sein, ob jemand als Mädchen, Junge, schwul, blond, arm oder reich geboren wurde, aber leider leben wir nach wie vor in diesen Kategorien.“ Fasos zentrales Anliegen ist so simpel und komplex zugleich. Er wünscht sich ein Leben frei von viel zu eng gefassten Kategorien und gesellschaftlich auferlegten Tabus; das Recht zu lieben, wen und wie er will. Ohne Konventionen, ohne Vorurteile. Das ist selten leichte Kost und immer von unendlicher Tiefe. Auch für diese Dimension seines Herzens kennt und will er keine Limitierung. Vielleicht sind es die italienischen Wurzeln und das südländische Temperament, das auf eine durch Elternhaus behütete und durch Freundeskreis beschütze Kindheit und Jugend in einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen treffen – unter Fasos sensibler Haut brodelt es. Schon von klein auf hat er dieses unterschwellige Gefühl, dass er für etwas Großes bestimmt ist. Und obwohl die Musik von Anfang an ein wichtiger und elementarer Teil seiner Geschichte ist, ist Fasos Weg geprägt von der Suche – nach sich selbst und dem Sinn des Lebens. Mit 21 Jahren zieht er nach Paderborn, um das zu machen, was er eigentlich nicht will: studieren. Germanistik und Musikwissenschaften können jedoch wie zu erwarten war, sein Herz nicht entflammen, denn schließlich will nicht er Musik archivieren, sondern ganz im Gegenteil derjenige sein, der archiviert wird. Er schmeißt hin. Dann beginnt, wie er selbst beschreibt „... das Wunder des Lebens“. Faso trifft die richtigen Leute zur richtigen Zeit. Sie erkennen sein Potential und geben Faso den Raum, denn er braucht, um sein musikalisches Zuhause zu finden. Das findet er beim Berliner Label Milch Musik und dem Produzenten- & Management-Team um Joshua Lange (LINA, Lukas Rieger etc.), Peter Plate und Ulf Leo Sommer (Rosenstolz, Sarah Connor etc.). Es folgen die ersten Veröffentlichungen „So Einfach“ (Juli 2019), der Charity-Song „Eine Familie“ (Juli 2019), „Deine Stimme“ (Dezember 2019) und die Gänsehaut-Nummer „Sizilia“ (September 2019) - eine berührende Hommage an Fasos sizilianische Wurzeln. Was sich wie ein roter Faden durch die Songs zieht, ist die einzigartige Verbindung seiner einfühlsamen Stimme mit dem sehr eigenen Sound aus tanzbaren Beats und eingängigen Melodien. Zu finden sind eindeutige Anleihen aus den 80er Jahren wie Dance, aber nach Fasos eigener Aussage noch viel wichtiger, ein gehöriger Schuss Groove. Auch textlich spart Faso nicht mit Raffinesse: „In jedem Song gibt es immer eine zweite Ebene. Kein Song ist genau so zu verstehen, wie ich ihn singe. Es lohnt sich also, zwei Mal hinzuhören.“
Mit dem noch im Mai dieses Jahres erscheinenden Track „Bleib hier (auch wenn’s noch keine Liebe ist)“ will Faso seinen Fans die Wartezeit bis zu seinem Debüt-Album verkürzen, welches Ende Sommer erscheinen soll. Damit will Faso auch endlich wieder auf Tournee gehen. Die Arbeiten im Studio sind eine Sache, doch die eigenen Songs seinen Fans live präsentieren zu können, ist „…einfach noch mal eine ganz andere Nummer. Ich kann einfach nicht ohne. Das, was ich da auf der Bühne mache, ist eigentlich total egoistisch.“ Was Faso damit meint, ist, dass er bei einem Konzert nicht nur gibt, sondern vor allem auch nimmt. Dafür braucht und will er echte Emotionen: „Diese Momente mit einer unfassbar lauten Stille im Saal, aber ganz viele Tränen im Publikum sind es, die es für mich ausmachen.“ Das eigene Glücksgefühl beim Verlassen der Bühne ist mindestens genauso wichtig, wie das des Publikums. Auf der Bühne zu stehen, bedeutet für Faso aber auch absolute Freiheit: „Hier kann ich all das sein, was ich sonst nicht bin, oder nicht schaffe zu zeigen - allein meine gewagten Outfits und weiblichen Bewegungen. Das alles bin auch ich, das gehört zu mir.“ Authentizität hat für den Queerdenker höchste Priorität und die Musik ist das Stilmittel, um seiner inneren Gefühlswelt ohne Vorbehalte Ausdruck zu verleihen. Und Faso steht zu seinem Wort. Lebt, was er proklamiert – für sich und andere - hat keine Scheu vor den großen Themen und auch gesellschaftskritischer Auseinandersetzung damit – ganz gleich, ob es um Nationalität, sexuelle Orientierung oder die Hautfarbe geht. Den Zeigefinger zu erheben, ist ihm jedoch fremd, was Faso möchte, ist andere Sichtweisen zu vermitteln und zu einem Perspektivwechsel anzuregen: „Immer, wenn es Menschen gibt, die aus irgendeinem Grund leiden, muss dieser Grund thematisiert werden. Und das sehe ich – zumindest als Künstler – als meine Aufgabe. Ich könnte natürlich auch 24 Stunden über die Liebe singen, was in meinem Fall allerdings total schwer ist, weil ich die echte Liebe wahrscheinlich noch nie empfunden habe.“ Waschechte Lovesongs lassen sich in Fasos Repertoire wahrlich kaum finden. Meistens geht es eher um das Gefühl, verlassen zu werden oder seiner Vorstellung davon, was oder wie Liebe wohl sein könnte. „Da spielt Drama eine wesentliche Rolle – das ist ein großer Teil von mir.“ Das zeigt sich auch in Fasos Lust, exakt konträr zu etwaigen Erwartungshaltungen aufzutreten.  „Ganz im Gegensatz zu meinen Eltern, denen es enorm wichtig ist, was andere über sie denken, habe ich es schon immer sehr genossen, dass andere über mich nachdenken. Ich genieße es, anders zu sein.“ Anders ist gut, denn es erhöht nicht nur die Vielfalt und Bandbreite, sondern maximiert auch das Maß an erlebbaren Möglichkeiten. Die Lyrics von Fasos Song „So Einfach“ bringen es auf den Punkt.

 

 

 

 

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