Deine Cousine

Wer immer tut, was er schon kann, bleibt eben auch immer da, wo er schon ist. Für manchen ist das sicher in Ordnung und muss auch nichts Schlechtes sein. Ist aber nichts für Deine Cousine. Denn Ina Bredehorn wollte nicht bleiben. Nicht im kleinen Dorf, nicht im sicheren Job. Setzte alles auf eine Karte und bewies eindrucksvoll, dass die Entscheidung richtig war. Und so ist "Ich bleib nicht hier" mehr als nur der Titel des ihres zweiten Albums. Er ist so Vieles: Credo, Mantra, und mindestens eine treffende Beschreibung ihres Lebens. Wörtlich, übertragen, musikalisch: Immer weitergehen, sich neu finden, ohne sich dabei zu verlieren. War ihr 2019er-Debüt "Attacke" an manchen Stellen noch zu unentschlossen, den kompromisslosen Weg zu gehen, ist "Ich bleib nicht hier" selbstsicher wie sonst was. Alle Kanten und Ecken des Debüts sind noch da, man könnte sogar sagen: Sie sind spitzer als vorher. Das zweite Album ist kein bisschen weniger wild, aber doch nuancierter und ausgefeilter. Sie traut sich mehr, experimentiert auch mit unerwarteten Tönen und Stimmungen, guckt in die Ecken, die sie bisher weniger ausgeleuchtet hat. Hier beweist Produzent Vincent Sorg (u.a. Die Toten Hosen, Broilers, Fury in the Slaughterhouse) einmal mehr sein Talent als fordernder Sparringspartner, der auch in dieser Zusammenarbeit so manche Reibung erzeugt hat, aus der sein besonderer Sound entsteht. Er hat sich vielleicht nicht immer durchgesetzt, denn Deine Cousine lässt sich noch immer nichts vorschreiben. Aber doch haben sie gemeinsam einen Klang erschaffen, in dem man meint, die Funken immer noch fliegen zu hören. Diese starken Spannungsbögen, die nicht die große Geste fürchten – und eine Energie, die sich so gewaltig entlädt, dass man direkt losrennen möchte. Und wie haben wir das nötig nach zwei Jahren auf der Pausetaste! Die insgesamt 12 Songs packen schon mit dem ersten Ton, fordern mit dem ersten "Hey!" direkt die volle Aufmerksamkeit und lassen nicht mehr nach. Der Pegel bleibt konstant oben, auch wenn es zwischendurch ruhiger wird – es bleibt intensiv und so voller Facetten wie Ina selbst, wie wir alle, wie das Leben. So hat "Ich bleib nicht hier" keinerlei Berührungsängste, was musikalische Einflüsse angeht: Punk-Brecher direkt gefolgt von Feuerzeuge-raus-Rockballade? Ja! Dass womöglich nicht alles allen gefallen wird – geschenkt! Reisende soll man ja nicht aufhalten und wer die Lust daran, sich auch außerhalb der Schublade auszutoben, nicht mag, findet genügend andere, die sich treuer bleiben. "Ich bleib nicht hier" ist abwechslungsreich, ändert oft das Tempo, variiert die Stimmung. Eben noch ungehemmter Pogo-Soundtrack, im nächsten Moment nachdenklich, fast in sich gekehrt, dann zügellos. Es erzählt von Dorferinnerungen, vom Aufbruch, eigenen Schwächen, Barrikaden und Zweifeln, die es zu zerschlagen gilt, von Freundschaft und Liebe, ob in Bielefeld, Paris, Madrid oder auf St. Pauli.

 

 

 

 

 

 

 

 

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