Blond


Blond haben einen Neuen: Also einen neuen Song, aber auch einen neuen Boy, und der scheint ziemlich toll zu sein. So toll jedenfalls, dass sie sofort allen davon erzählen wollen und ihm direkt ein Lied geschrieben haben. Gut, das kommt in der Popmusik durchaus häufiger vor, aber Blond haben jemand ganz besonderen gefunden, und das ist ungefähr so selten wie ein gutes Match auf Tinder. Er ist zwar schon ein bisschen älter und hat nebenbei noch andere Frauen am Start, aber das ist total egal, denn mit ihm fühlt man sich einfach besser. Der Boy ist nämlich Therapeut und ein Therapieplatz bei ihm ist noch viel besser als verliebt sein. Das Chemnitzer Trio Blond, bestehend aus Nina und Lotta Kummer und Johann Bonitz schreibt Popsongs, die gleichzeitig glamourös und rough sind – fast so, als würde man sich an einem hübsch funkelnden Diamanten eine blutige Schnittwunde holen. Ihr Debüt-Album „Martini Sprite“ erschien im Januar 2020, letztes Jahr legten sie die Single „Du und Ich“ nach. Blond singen gerne über Themen, die gesellschaftlich nach wie vor tabuisiert oder nicht laut genug angesprochen werden, obwohl man noch viel öfter über sie singen und auch reden sollte: Die Periode, sexuell übergriffige Männer, allzu menschliche Unsicherheiten, erfolgloser Dating-Alltag. Auch „mein boy“ erweckt zunächst den Anschein eines verknallt schillernden Love-Songs, aber eigentlich geht es um was richtig Wichtiges, nämlich um Mental Health. Psychische Probleme und Erkrankungen werden häufig immer noch tabuisiert oder als gesellschaftliches Stigma behandelt, dabei sind sie ganz „normal“ und gehören genau so zum Leben wie schlechtes Wetter oder lästige Pickel. Blondhaben also eine kleine Indiepop-Hymne auf die seelischen Vorzüge der Psychotherapie geschrieben, und sie wissen, dass der liebevoll besungene neue Boy keine Selbstverständlichkeit, sondern fast schon ein Privileg ist - Therapieplätze sind derzeit schließlich rar. Musikalisch zelebriert „mein boy“ den Therapieplatz mit einem cool flimmernden Hauch Achtzigerjahre und einem Refrain, der wieder mal verdammt catchy ist.

 

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