Blond

Sie sind überall, und sie werden gefühlt immer mehr. Sie tummeln sich in Aufsichtsräten und auf Wirtschaftsgipfeln, sie zücken philosophische Zeigefinger in Talkshows, sie mansplainen uns die Welt in kilometerlangen Threads auf Twitter, sie sind Experten für alles, sie fangen Kriege an, statt ihn Therapie zu gehen, sie dominieren breitbeinig die Line-Ups deutscher Festivals. Und immer, wenn man hofft, dass sich die Zeiten endlich ändern, sind da plötzlich noch mehr von ihnen: Männer. Als es damals bei den Weather Girls Männer geregnet hat, wurde das tanzend auf der Straße gefeiert und mit einem glückseligen "Halleluja" abgesegnet. Heute stehen BLOND im Männerregen, und sie stehen da ziemlich allein. Ihr "Halleluja" ist ein genervtes – Nina und Lotta Kummer und Johann Bonitz aus Chemnitz haben einfach keine Lust mehr, auf Festivals im Männerdauerregen den Rettungsschirm für die Frauenquote aufzuspannen. Auf ihrem Debüt-Album "Martini Sprite" mussten sich schon von einem nervigen "Thorsten" die Musikwelt erklären lassen. Kaum ist man mit ihm fertig, folgt die bittere Erkenntnis, dass die Thorstens offensichtlich auch in den Booking- und Eventagenturen sitzen und dort Line-Ups basteln, in denen nach wie vor viel zu wenig Platz für weiblich gelesene Künstlerinnen ist. "Wir sind allein, wo sind all die anderen Frauen? Für so ne Pimmelparty mit bleichen Rentnern waren wir nicht stundenlang im Proberaum", lautet das ernüchterte Fazit. Also haben BLOND einen Song geschrieben, der zwar ganz konkret die Musik- und Festivalbranche in die Verantwortung nimmt, aber auch auf viele andere Bereiche passt. Die Zeile "Das Line-Up wird länger und länger und länger, mehr Platz für noch mehr Männer", könnte eine Blaupause sein: Für die Auswahl von Podiumsgästen, für die Besetzung von Führungspositionen, für Aufsichtsgremien und so weiter. Doch zum Glück stehen BLOND nicht ganz allein im Männerregen — in der zweiten Strophe bekommen sie Support von addeN: Die Berliner Künstlerin bewegt sich seit 20 Jahren in der Battle-Rap-Szene, und die ist noch mal ganz anders männerdominiert. In "Männer" teilt sie ihre Erfahrungen als eine der wenigen Frauen in der Szene, und die klingen unter anderem so: „Hier oben bist du einsam, weil die Typen keine Ehre haben“. "Männer", und anders kann es bei dem Song gar nicht sein, ist ein treibender, unglaublich eingängiger Power-Indie-Banger mit ironischem Weather-Girls-Zitat im Refrain und den Band-typischen glamourösen Chören im Hintergrund. Man sieht die Fans auf zukünftigen Festivals förmlich dazu schwitzen, man hört sie inbrünstig mitsingen, man weiß, die fünfhundert anderen Männerbands im Line-Up werden ihre Gitarren niederlegen vor Neid. Kurzum: Das neue Album von Blond heißt "Perlen" – und "Männer" ist definitiv ein Brett.

 

 

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