August August

Wie prägt das Politische unsere privaten Beziehungen? Warum bestimmt immer die Mehrheit, was als normal gilt? Und wohin mit der Wut, Trauer und Ohnmacht angesichts all der Schieflagen in unserer Gesellschaft? Das Indie-Duo 'August August 'aus Hamburg stellt Fragen. Klug und komplex, äußerst zeitgemäß und unbedingt mitreißend. „Liebe in Zeiten des Neoliberalismus‟ – mit dem Titel ihres zweiten Albums machen Kathrin Ost und David Hirst überdeutlich klar, was sie alles in ihrer Musik kanalisieren: Leidenschaft, Tiefgang, Kritik. Seichte Befindlichkeitsstudien sind ihre Sache nicht. Die Sängerin, Kathrin Ost, die zudem als Schauspielerin für TV und Theater arbeitet, kniet sich gerne tief hinein in Zusammenhänge. Und mit dem Deutsch-Briten David Hirst hat sie einen künstlerischen Komplizen gefunden, mit dem sie ihre Inhalte intuitiv umsetzen kann. Komplettiert wird das Bandsetting für Aufnahmen und Auftritte von Schlagzeuger Leo Binas sowie von Gitarrist Gregor „Monti ‟ Sonnenberg, der das aktuelle Album in seinem Hamburger Studio auch produziert hat. „Ich erlebe Dave, Leo und Gregor als feministische Musiker, die einer Künstlerin wie mir auf Augenhöhe begegnen. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit‟, sagt Kathrin Ost, für die das Bassspielen auch ein emanzipatorischer Akt ist. Als Kind lernte sie zehn Jahre klassisches Klavier. Doch im Bandkontext einfach ans Keyboard zu wechseln, reizte sie nicht. „Am Bass liebe ich es total, die Power im ganzen Körper zu spüren. Für Konzerte hab' immer die allergrößte Bassbox dabei. Der Sound soll in alle Knochen gehen. ‟ Zu erleben ist der Wumms von August August beispielsweise in dem Song „Kaputt + Kein Hunger‟. Wunderbar slackernd beschwört das Duo da den Geist von Grunge und Riot Grrrl-Bewegung. Die Dinge aus einer durchaus skeptischen Außenseiterposition zu beobachten, ist bereits in ihrem Bandnamen angelegt. August August ist eine Figur aus einer frühen Folge der Hörspielreihe „Die drei ???‟. „August August ist ein Typ, der nur temporär dabei ist und die Lage eher aus der Distanz betrachtet. Ich habe mich auch lange nicht als Heldin in der ersten Reihe gesehen‟, erzählt Kathrin Ost. Doch zunehmend gerät sie ins Handeln. Über ihre Worte, über die Musik. Gemeinsam mit David Hirst versteht sie ihre Kunst als Weg, Dialoge anzustoßen. Mit einem zutiefst humanistischen Grundverständnis verhandelt August August, wie das neoliberale Hamsterrad unser Leben heiß- und leerlaufen lässt. Zugleich bringt das Duo jene Momente und Phasen zum Leuchten, die sich jeglicher Verwertungslogik entziehen. In denen eine Art von Freiheit möglich scheint. (Text: Birgit Reuther)

 

 

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