Nichtseattle

Nach der Single "Frau Sein" aus dem Dezember erscheint nun "Fleißig", die zweite Single des dritten Albums der Berliner Singer-Songwriterin Katharina Koll unter dem Namen Nichtseattle. Das Doppel-Album wird „HAUS“ heißen und im April erscheinen. Doch was erwartet uns in "Fleißig"? Das Narrativ der ehrlichen, harten Arbeit ist älter als die bürgerliche Gesellschaft selbst. Gerade im Wirtschaftswunder-Deutschland haben wir diese Idee mit der Muttermilch oder dem Nestle-Milchpulver in uns aufgesogen. Willkommen in der Leistungsgesellschaft! Aber es gibt auch noch eine andere Erzählung: Die des Glücks. Das Glück in der Liebe, das Glück der besten Dumplings der Stadt oder das Glück von einem sorglosen Strandspaziergang. In der modernen Welt wird es für viele Menschen offenbar immer schwerer, diese beiden Stränge des Lebens zufriedenstellend zusammenzubringen. Eine gewisse Gelassenheit scheint uns dabei vollständig abhanden gekommen zu sein. Oder ist sie möglicherweise nie wirklich dagewesen? Die Berliner Songschreiberin Katharina Kollmann aka Nichtseattle hat uns einen Song geschrieben, der aus ihrer eigenen Perspektive von diesem Dilemma erzählt: „Fleißig“. Ein Lied über den Selbstoptimierungszwang und das ewig schleichende Gefühl der Minderwertigkeit und eines gefühlt immer stärker werdenden Leistungsdrucks. Innerhalb und außerhalb der Prekarität. Aber woher kommt sie nur, diese bleierne Schwere? Aus uns selbst heraus oder doch nur wegen des aufgenommenen Bank-Kredits? Weil wir es einfach nie anders vorgelebt bekommen, also gelernt haben? Ja, wie halten wir es denn nun künftig mit der vielbeschworenen Work/Life-Balance? „Immer schwingt eine rätselhafte kafkaeske Suche mit, die dem Menschen womöglich merkwürdig eingeschrieben ist. Von Beginn an klingt jedenfalls ein Gefühl der Sinnlosigkeit an, und am Ende festigt sich die Erkenntnis, dass damit dringend aufzuhören ist, dass die Fehler im System einzugestehen, die eigenen Schwächen und Grenzen zuzugeben sind, dass man sich verbinden oder mit dem noch schöneren Donna-Haraway’schen Wort „verwandt“ machen sollte“, sagt die Künstlerin selbst über den Zustand der Welt zwischen wackeligen Karriereleitern, Glücksversprechen, Egoshootern, Influcencern und dem daraus resultierenden Gefühl der Selbstüberforderung.

 

 

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